Afrika Hautnah – Folge 5 – Allein in den Makgadikgadi Pans

24062012

Alle haben uns von einer Fahrt nach Kubu-Island, einer kleiner Insel inmitten der Weite der Makgadikgadi Salzpfannen, abgeraten. Zu feucht seien die Salzpfannen im April noch, das Befahren viel zu gefährlich. Daher hatten wir nun als nächste Station die Khumaga Campsite am Westlichen Rand des Makgadikgadi Nationalparks vorgesehen – leider etwas abseits von meinem „Taumziel“. Aber es sollte anders kommen…

Größten Salzpfannen der Erde

Die Makgadikgadi-Salzpfannen sind ein Gebiet in etwa so groß wie Belgien, sie bestehen aus einer Vielzahl größerer und kleinerer Salzpfannen und liegen im nordöstlichen Bereich der Kalahari – südöstlich des Okavango-Deltas. Sie gelten, neben dem Salar de Uyuni und der Etosha-Pfanne, als größte Salzpfannen der Erde. An ihrer Stelle war früher ein großer See. Er umfasste etwa 60.000 km² und war bis zu 30 Meter tief. Da es keinen Abfluss gab, konzentrierte sich das Salz. Durch eine Klimaveränderung trocknete der See vor etwas 10.000 Jahren aus und ließ bis zu 5 Meter tiefe Salzkrusten zurück.

Inmitten der Makgadikgadi Pans liegen einige „Inseln“, von denen eine der schönsten und bekanntesten sicherlich Kubu Island ist. Alle Beschreibungen, die ich dazu gelesen hatte, hatten den Wunsch in mir nur noch bestärkt sie zu besuchen. Wenn nicht jetzt, dann definitiv bei unserer nächsten Reise nach Botswana – wann auch immer das sein würde.

Und heute nun ist es soweit, wir müssen nun endgültig eine Entscheidung treffen – umfahren wir, wie geplant die Salzpfannen oder lassen wir unser nächstes, reserviertes Camp sausen und versuchen einfach, auf eigene Faust, Kubu Island zu erreichen. Dann allerdings ohne Garantie, dass wir da ankommen, dass dort eine Übernachtungsmöglichkeit besteht und zusätzlich mit der Gefahr, dass wir uns auf den Salzpfannen fest fahren.

Je länger ich darüber in den letzten Tagen nachgedacht habe, um so stärker wurde der Wunsch in mir, es einfach auszuprobieren. Diana zu überzeugen fiel dann auch nicht schwer – „wenn die Bedingungen schwierig werden, fahren wir halt zurück, es ist ja noch früh am Tag“.

Also biegen wir nun an der entsprechenden Stelle von der Hauptstraße, und somit auch von der von uns geplanten Route, ab und machen uns auf den Weg nach Norden, in Richtung der Salzpfanne.


In Rot die ursprünglich geplante Strecke, in grün der Weg durch die Salzpfannen. Die Karte ist interaktiv, ihr könnt also den Ausschnitt verschieben und auch reinzoomen!

Sobald wir die Hauptstraße verlassen, erreichen wir eine Sandpiste, die uns nun die nächsten Kilometer begleiten wird. Über Stock und Stein und mit einigem Geholpere fahren wir über eine – bislang – durchaus befahrbare Piste.

Auf zu dem Makgadikgadi Pans!
Auf zu dem Makgadikgadi Pans!


Plötzlich sehen wir rechts neben der Piste ein Fahrzeug stehen und daneben zwei Einheimische. Als wir vorbeifahren, macht der eine das unmissverständliche, weil internationale, Zeichen, wir sollen anhalten. Ohne lange nachzudenken stoppe ich unser Auto und lasse die Scheibe herunter. Immerhin befinden wir uns hier in ziemlicher Einsamkeit und es könnte ja sein, dass die beiden eine Panne haben und unsere Hilfe brauchen. Der eine von den beiden kommt zu uns und lehnt sich in mein Fenster. Der kommt aber ziemlich dicht ran, denke ich mir und bemerke, dass er auch geschickt den Inhalt unseres Wagens scannt.

„Habt ihr Bier für uns?“ fragt er in schlechtem Englisch.

Dann gib mir Deine Kamera

„Nein“ sage ich – und das entsprecht ja auch der Wahrheit – kurz überkommt mich der Drang, ihm unsere restlichen Cider-Vorräte anzudrehen ich nehme aber schnell wieder davon Abstand. Erstens ist das Zeug mittlerweile besser als nichts, ich weiß genau, dass wir erstmal keinen Ersatz kaufen werden können – und zweitens würde er das sicherlich als Beleidigung auffassen – und das zu Recht, das Zeug kann man eigentlich keinem Anbieten. ;-)

Dann sagt er beiläufig:

„Dann gib mir die Kamera“

Eiskalt läuft es mir den Rücken herunter – ist das jetzt ein Überfall? Zum Glück deutet er nur auf die kleine Lumix, die griffbereit zwischen unseren Sitzen in der Ablage liegt. Das andere Equipment liegt – zu unserem großen Glück – hinten unter eine Decke und lugt hoffentlich nicht hervor. So sicher bin ich mir da nicht, kann mich im Moment aber aus offensichtlichen Gründen auch nicht umdrehen.

„Nein“ sage ich ganz ruhig und beläufig „die brauchen wir noch – wir sind hier schließlich zu Besuch und ohne Kamera können wir keine Bilder von Eurem schönen Land machen und unseren Familien und Freunden zeigen.“

„Okay“ sagt er nun zu unserer Verwunderung und tritt einen Schritt zurück.

„Wirklich kein Bier?“ wagt er noch einen Versuch –

„Tut mir leid – macht’s gut!“

Erleichtert fahre ich weiter, der Schreck sitzt uns beiden in den Gliedern.

Die Makgadikgadi-Pans
Die Makgadikgadi-Pans


Wie konnte das passieren? Niemals hätten wir in Süd‑ oder Lateinamerika bei einer solchen Situation angehalten! Nie! Afrika hat uns mit seinen freundlichen Menschen und der entspannten Athosphäre wie Ka, die Schlage im Dschungelbuch eingelullt und wir sind unvorsichtig geworden!

Jetzt sind wir wieder wach und Diana spinnt das Thema weiter:

„Hast Du gesehen, wie der unser Auto gescannt hat?? Pass auf – der ruft jetzt seine Kumpels an und die lauern uns vorne in der Einsamkeit der Salzpfanne auf und überfallen uns.

„Das glaube ich nicht“ sage ich, ganz überzeugend klingt das sicherlich nicht. Daher füge ich noch hinzu:

„Wir sind hier schließlich in Botswana – die Menschen sind hier nicht so. Wenn er uns hätte überfallen wollen, dann hätte er es doch eben tun können. Einsam genug war es dafür auch hier. Warum sollte er jetzt den Aufwand betreiben?“ und dann sage ich noch, wohl um sowohl sie als auch mich zu beruhigen: „der wollte glaube ich wirklich nur Bier haben“.

Jetzt hängen wir erst mal beide unseren Gedanken nach – aber irgendwie sind wir nun in erhöhter Alarmbereitschaft und ich ertappe mich, wie ich immer wieder in den Rückspiegel schaue und die Büsche vor und neben uns ganz genau scanne.

Nach einer weiteren halben Stunde erreichen den Pfannenrand. Einen kleinen Abhang geht es herunter, dann fahren wir über das Salz, das hier am Rand noch stark mit Sand vermischt ist.

Am Rand der Makgadikgadi-Pans
Am Rand der Makgadikgadi-Pans


Zu Beginn erinnert die Landschaft ein wenig an die Nordsee bei St. Peter Ording. Immer wieder durchsetzen grün bewachsene Streifen die Pfanne und um uns herum ist einfach eine unwahrscheinliche Menge „Nichts“.

Zum Glück sehen wir deutlich die Fahrspur – ein gutes Zeichen, hier sind also schon einige Autos entlang gefahren, das gibt Vertrauen. Bisher sieht auch alles recht trocken aus. Wir folgen der Spur – von der sollte man hier wirklich auf keinen Fall abkommen, auch wenn der Reiz noch so groß ist, direkt über das gleißende Weiß des Salzes zu fahren.

„Willst Du mal fahren?“ frage ich Diana. Bisher war sie weder von den Sandpisten noch vom Rechtslenker so richtig begeistert und hatte mich lieber fahren lassen. Hier aber, auf der freien Fläche der Salzpfanne hat sie Lust. Also halte ich den Wagen an und nutze gleich die Gelegenheit, die GoPro vorne mit der Saugnapf-Halterung zu befestigen und einzuschalten.

Als ich gerade zur Beifahrertür gehen will, gibt Diana Gas uns lässt mich stehen. Ich sehe das Auto immer kleiner werden und werde mir nun der Umgebung – die ich ja bisher nur aus dem Auto heraus wahrgenommen habe, in voller Intensität bewusst.

Die Makgadikgadi-Pans
Die Makgadikgadi-Pans


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Kommentare

4 Kommentare zu “Afrika Hautnah – Folge 5 – Allein in den Makgadikgadi Pans”


  1. Patricia 24. Juni 2012, 12:12   »
    Gravatar

    Oh Mann, wie kannst du jetzt nur aufhören? *lach* Ich platze vor Spannung. :-)

    Gruß,
    Patricia

  2. Tom 24. Juni 2012, 13:34   »
    Gravatar

    Genau… echt Klasse die Berichte über Botswana und jetzt dieses ungeplante Ereigniss, bin echt gespannt auf die nächste Folge!

    Tom

  3. Hannes 26. Juni 2012, 11:46   »
    Gravatar

    Hi Gunter!
    Das Ende ist ja schlimmer als in einer Daily-Soap – da weiß man zumindest dass es am nächsten Tag weiter geht ;-)
    Die Bilder von der Weite find ich wieder super. – Ist sicher ein interessantes Gefühl in so viel „Ebene“ zu fahren.
    ciao
    Hannes

  4. philtek 20. Juli 2012, 16:27   »
    Gravatar

    Schön geschrieben. Und dass sie weggefahren ist, hat immerhin offensichtlich zu dem fantastischen letzten Foto geführt.
    Bin sehr gespannt, wie es weitergeht.
    Gruß
    philtek

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