Die “Geisterstadt” Kolmanskop – und meine Art mit HDR umzugehen – Afrika Hautnah 2, Folge 3

19022014

Kolmanskop, auch bekannt als Kolmannskuppe, ist die wohl bekannteste “Geisterstadt” in Namibia und liegt mitten in der Namib-Wüste. Diese Wüste ist es auch, die die Stadt für uns Fotografen so interessant macht: erobert sie doch mit Ihren Dünen das Land auf das die Stadt einst gebaut wurde Schritt-für-Schritt zurück. Übrig bleiben pittoreske Räume, an denen der Zahn der Zeit nagt und die insbesondere jeden Fotografen aufgrund ihrer Farben und der sagenhaften Kulissen in Entzücken versetzen. Hier zu fotografieren ist allerdings kein Kindergeburtstag: die krassen Kontraste verführen gerade dazu, mit der HDR Technik zu arbeiten. Ob das immer sinnvoll ist und welchen Weg ich gewählt habe, um diese Impressionen fotografisch umzusetzen, erfahrt ihr nun.

Kolmanskuppe entstand als deutsche Kolonial-Stadt im Zuge des Diamantenbooms in Namibia, Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie liegt etwa 12 Km von Lüderitz in der Wüste und galt einst als die reichste Stadt Afrikas.

Inmitten der  lebensfeindlichen Namib-Wüste, die durch ihre starken Sandstürme und ihre Trockenheit bekannt ist, lebten damals bis zu 400 Menschen in großem Luxus. Neben den Unterkünften für die im Diamantenabbau tätigen Arbeiter, den Verwaltungsgebäuden, einem Krankenhaus und einer Schule gab es fast alles, was das Herz begehrte.

Kolmanskop

Auch ein Elektrizitätswerk, Lebensmittelgeschäfte sowie eine Eisfabrik, die Blockeis für die Eisschränke der Bewohner herstellte, gab es. Ja, sogar ein Theater und ein Salzwasser-Schwimmbad. Alles Süßwasser für die Versorgung der Stadt, musste aus dem rund 1.000 km entfernten Kapstadt herangeschafft werden. Die meisten Baumaterialien kamen aus Deutschland. Geld spielte hier damals keine Rolle.

Die Deutschen waren es…

Aber wie auch bei anderen “Boom-Städten” hielt dieser Boom und Reichtum nicht ewig – als nämlich die Diamentenfelder abgebaut waren, wurde 1930 der Abbau weiter Richtung Süden verlagert. Nach und nach verließen auch die Bewohner Kolmanskuppes die Stadt und überließen Kolmanskuppe wieder der Wüste, die sich schnell zurückholte, was man ihr einst abgerungen hatte.

Kolmankop – Namibia

Erst in den 1990er Jahren begann man, einen geregelten Museumsbetrieb zu etablieren. Der Aufschwung des nahe gelegenen Lüderitz brachte viele Besucher und man begann die Geisterstadt vor dem vollständigen Verfall zu retten. Einige Häuser sind mittlerweile restauriert und wurden auch von innen in den Urzustand versetzt. Aber im großen und ganzen macht den Charme Kolmanskuppes natürlich gerade ihr Verfall aus.

Heute ist die Stadt ein Touristenmagnet. Für die meisten Namibia-Reisenden ist es ein Pflichtstopp auf dem Weg nach Lüderitz. Es ist einfach wahnsinnig beeindruckend die Häuser und Räume, in denen zum Teil meter-hoher Sand liegt, zu besichtigen und in eine komplett andere Zeit einzutauchen.

Natürlich wollten auch wir Kolmanskop unbedingt besichtigen. Schon während der Fahrt in das an der Küste gelegene Lüderitz bemerken wir jedoch, wie sich das Wetter änderte. Je näher wir der Atlantik-Küste kamen, um so stärker wurde der Wind. Er blies den Sand der Namib sandstrahlartig über die Straße, so dass diese an einigen Stellen schon komplett unter dem Sand zu verschwinden drohte.

Lüderitz

Da ich noch eine Namibische Prepaid Karte kaufen wollte, fuhren wir zunächst nach Lüderitz und besorgten die Karte. Hatten wir ursprünglich noch in Erwägung gezogen, zunächst Lüderitz zu besichtigen, dort auf dem Camping-Platz zu übernachten und dann am kommenden Tag Kolmanskop zu besichtigen, nahmen wir davon schnell wieder Abstand. Der Sturm war hier mittlerweile fast als orkanartig zu bezeichnen und der Campingplatz liegt auf einer schutzlosen Landzunge direkt am Meer – hier hätten wir unser Dachzelt vermutlich nur einmal ausgeklappt – und danach nie wieder. Leider machten uns die Einheimischen in Lüderitz auch keine Hoffnung auf eine Wetterbesserung in den nächsten Tagen.

Wir entschlossen uns also, noch am selben Tag Kolmanskop zu besichtigen, obwohl es schon nach Mittag war.

Diana und ich nahmen also je eine Kamera, eine mit dem 35er und eine mit dem 14-24. Wir steckten sie unter unsere Jacken, stemmten uns gegen den Wind und dann rannten wir zum ersten Haus. Drinnen war es etwas besser. Bei diesen Bedingungen Zeitraffer aufzunehmen, wäre aber so gut wie unmöglich gewesen. Das unvermeidliche Knirschen, das sich schon nach kurzer Zeit in den Objektiven einstellte, bereitete mir so schon fast körperliche Schmerzen… Der Weg von einem Haus zum nächsten glich dann auch einem Spießrutenlauf gegen den Wind. Die Kameras nur notdürftig geschützt, versuchten wir das schlimmste zu verhindern.

Die Herausforderung beim Fotografieren in den Häusern war dann neben dem umherfliegenden Sand vor allem der hohe Dynamik-Umfang der Motive. In den Häusern ohne künstliche Beleuchtung waren die einzigen Lichtquellen die offenen Fenster, durch die die nur leicht durch Schleierwolken gedämpfte Sonne fiel. Harte Schatten und dunkle Ecken in den Zimmern kontrastierten also mit der hellen Wüstenszenerie draußen. Bei diesen Motiven war es mir sehr wichtig, auch die Details draußen zu erhalten – z.B. die Wolken vor dem blauen Himmel. Mit “normal”-belichteten Fotos wäre mir das jedoch nicht gelungen. Hier wären die Fenster einfach nur als weiße Fläche abgebildet worden. Ich musste also anders vorgehen.

Und obwohl ich eigentlich kein Freund von der HDR Technik bin, waren das Situationen, in denen ich mit dazu entschloss, Belichtungsreihen zu machen. Einfach, um einen größeren Dynamikumfang einzufangen. Ich machte also jeweils 5 Bilder mit jeweils einer Blendenstufe Unterschied. Immer wieder verfluche ich in einer solchen Situation die D800, die bei automatischen Belichtungsreihen keine größeren Schritte als 1-Blendenstufe machen kann. Selbst die D5300 kann 2 Blendenstufen, die D600/D610 sogar 3!
5 Bilder mit 1-Blendenstufe Abstand sind bei einer Kamera mit dem Dynamikumfang der D800 eigentlich totaler Unsinn, 3 Bilder mit 2 oder 3-Blendenstufen Abstand wären hier die deutlich bessere Wahl. Nikon, wie wäre es mit einem Firmware Update für die D800?!

Jedenfalls wollte ich Euch hier kurz davon berichten, wie sich die Bearbeitung dieser “HDR”-Bilder gestaltet hat.

HDR oder nicht-HDR – das ist hier die Frage

Zunächst habe ich mir in Lightroom einfach “nur” dasjenige Bild aus jeder Sequenz herausgesucht, welches einer idealen Belichtung am nächsten kam. Sprich: dasjenige, das gerade so in den Lichtern nicht überbelichtet war, also auch in den Fensterbereichen noch Zeichnung hatte. Das überprüft man am besten, in dem man temporär den “Belichtungs”-Regler in Lightroom etwas zurückzieht – so erkennt man, ob in den Lichtern noch Zeichnung ist.

Hier mal ein Beispiel: so kam das “perfekt belichtete” Foto aus der Kamera:

So sieht das JPG aus der Kamera aus

Sieht erstmal nach einem Löschkandidaten aus – oder? :-)

Dieses habe ich dann ganz normal in Lightroom bearbeitet, insbesondere musste ich natürlich die Schatten-Partien aufhellen. Hier kam mir zugute, dass die RAW-Aufnahmen aus den Nikons einen wirklich extrem guten Dynamik-Umfang haben. So konnte ich noch unwahrscheinlich viele Details aus den zunächst fast schwarz anmutenden Schattenpartien herausholen. Diese Ergebnisse waren für mich eigentlich schon perfekt.

So sieht das Beispielbild von eben nach der Bearbeitung des RAWs mit Lightroom aus. Achtet mal auf das Fenster, auch hier ist die komplette Zeichnung zu sehen!

Nur mit Lightroom bearbeitet

Als “Gegenversuch” probierte ich nun, ob ich mit Photomatix und dem Zusammensetzen der kompletten Belichtungsreihe zu einem HDR-Bild noch bessere Ergebnisse bekommen würde.

Hier mal der Vergleich eines echten HDRs, das ich mit Photomatix zu einem 32 bit Tif mit hoher Dynamik zusammengesetzt und anschließend in Lightroom bearbeitet habe. Klickt am besten mal auf eines der Bilder und schaltet dann mit dem Pfeiltasten hin und her, um den Unterschied besser zu sehen.

HDR – Zusammengesetzt mit Photomatix und mit Lightroom bearbeitet

gegenüber dem “perfekt belichteten” Bild aus der Reihe, welches ich direkt in Lightroom bearbeitet habe.

Nur mit Lightroom aus einem RAW entwickelt.

Der einzige Vorteil des HDRs ist hier ein geringeres Rauschen in den Schattenpartien, da hier das mehr an Informationen aus den heller belichteten Bildern zum tragen kommt. Allerdings seht ihr den Unterschied hier vermutlich gar nicht – der kommt höchstens zum Tragen, bei einer 1:1 Ansicht – nicht jedoch bei Verkleinerungen.

Mein Fazit

HDR verliert mehr und mehr an Bedeutung. Kameras mit modernen Sensoren, wie die Nikon D800, die D600/D610 aber auch schon die “kleinen” – Nikon D5x00 und D7x00 bieten mit ihren 14 bit RAW-Dateien mittlerweile einen derart hohen Dynamik-Umfang, dass man fast in allen Situationen auf eine echte HDR-Bearbeitung verzichten kann. Voraussetzung für solche Ergebnisse ist allerdings, dass man genau die richtige Belichtung trifft – sprich die Lichter nicht ausfressen. Erleichtern kann man sich das durch die Aufnahme einer Belichtungsreihe.

Eine weitere Voraussetzung, ist die richtige Software zur Bearbeitung der RAW-Dateien. Lightroom 5 (und 4) machen beim Aufhellen der Schatten und “Retten” der Lichter einen wirklich außergewöhnlichen Job. Mit Lightroom 3 und anderen Programmen funktioniert das, meiner Erfahrung nach, lange nicht so gut.

Im Endeffekt waren es ausschließlich die aus Einzelbildern bearbeiteten Fotos, die es hier auf die Seite geschafft haben – sie haben mir vom Look her einfach noch ein bisschen besser gefallen und waren mit deutlich weniger Aufwand bearbeitet.

Kolmanskop – Ein Traum für Fotografen


Weiterlesen:

Alle bisherigen Folgen von Afrika Hautnah 2 findet ihr hier:

 

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18 Kommentare bisher


  1. Nadie 2. Oktober 2016, 23:35   »

    Einfach nur genial, sprachlos machend. DANKE!

  2. Bunte Käseglocke — Es muss nicht HDR sein 21. März 2014, 00:01   »

    […] Hause am Rechner entsann ich mich dann der Worte Gunther Wegners’ der kürzlich predigte, dass es eben meist nicht HDR sein müsse, sondern auch eine einzige gut […]

  3. Markus 21. Februar 2014, 22:54   »

    Hallo Gunther,
    super HDR- Bilder in tollem Ambiente mit hohem Einsatz- klasse! Interessant wäre es, Deinen workflow der HDR-Entwicklung mit LR5 mal exakt kennenlernen zu dürfen. Das schlägt jedes HDR-Programm wie Photomatix oder das Photoshop-plugin und spart irre Zeit. Auch mir sind mit LR 5 schon viele HDR-ähnliche Entwicklungen gelungen.Wäre schön, wenn das ein nächstes Thema sein könnte…
    Gruß und weiter so. Markus

  4. Daniel 21. Februar 2014, 16:15   »

    Hi,

    ganz meine Meinung. An sich ist HDR eine geniale Sache, doch irgendwie hat mich das Prozedere immer abgeschreckt.
    Aber mit einer guten Kamera und den RAWs geht es auch ohne: Während des Weihnachtsurlaubes in Kroatien entstanden mit meinen beiden Nikons diese drei Fotos:

    http://500px.com/photo/56784922
    http://500px.com/photo/56784920
    http://500px.com/photo/56784918

    Habe in der Entwicklung von RAWs inzwischen einiges an Erfahrung, staune aber nach wie vor über das Potential, dass in der Kombination ‘RAW-Lightroom’ steckt.

    Tolle Fotos übrigens! Fotografiere selbst gerne verfallende Dinge…

    Grüße aus Innsbruck

  5. Fotograf in der Geisterstadt | Fotobuchcom.de - 20. Februar 2014, 13:22   »

    […] Latein- und Südamerika. Aktuell berichtet Gunther auf seinem Blog über eine Afrika-Reise und das Fotografieren mit der HDR-Technik in Kolmanskop, einer afrikanischen […]

  6. Markus Kirchgatterer 20. Februar 2014, 12:51   »

    Hallo Gunther

    Ich bin ganz deiner Meinung, seit ich mit einer Nikon D600 fotografiere habe ich keine HDR mehr gemacht. Es ist einfach nicht mehr notwendig.

    Grüße

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