Chaotisches Barreirinhas



Vom Regenwald in die Wüste

Der Bus ist erstaunlich schnell da. Schon um 11:00 steigen wir in Barreirinhas aus. Offenbar ist der Ort ein Magnet nicht nur für Rucksacktouristen, sondern auch für Brasilianer, die hier die Ostertage verbringen möchten. Als wir aus dem Bus aussteigen werden wir, wie auch schon bei unserer Ankunft in der Chapada Diamantina, wieder einmal von „Headhuntern“, wie wir die Pousada Schlepper im Scherz nennen, überfallen.

Diesmal sind wir nicht, wie damals, gerade erst aufgewacht und nehmen es daher ganz gelassen. Einer ist wieder besonders hartnäckig, aber diesmal gelingt es mir, ihn freundlich aber bestimmt abzuwimmeln. Wir wollen uns heute Zeit nehmen, den Ort ansehen und uns dann auf eigene Faust eine schöne Bleibe suchen.

Also trotten wir los. Schnell merken wir, dass es in diesem Ort ganz schön voll ist. Überall beziehen Touristen ihre Bleiben. Vor allem Brasilianer aus dem nahen São Luís fallen in Scharen in den kleinen, aber gut situierten, Ort ein um hier ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Plötzlich bin ich ein bisschen unsicher, ob es richtig war, den Kollegen so schnell abzuwimmeln, schließlich haben wir nichts reserviert und so wie das hier aussieht könnte es uns auch noch passieren, dass wir gar keine Unterkunft mehr bekommen – daran hatten wir nicht im entferntesten gedacht!

Aber gerade als ich noch mit diesen Gedanken beschäftigt bin, naht „Rettung“ – ein weiterer „Headhunter“ kommt auf uns zu und fragt, ob wir schon eine Unterkunft hätten. Gutes Timing. Was soll’s, schließlich haben wir ja in der Chapada Diamantina ziemlich gute Erfahrungen mit den Jungs gemacht, warum sollen wir es also nicht noch einmal probieren. Ganz unverbindlich natürlich.
Also stelle ich ihm unsere Bedingungen: Gut und günstig soll es sein. Ich setze ein Limit von 50 R$. Er strahlt und läuft vor. Leichtes Geschäft. Denkt er!

Die erste Pousada, die er ansteuert ist – natürlich – die neben der Agency, für die er arbeitet. Aber – und hier zeigt sich, dass unsere Bedenken nicht ganz umsonst waren, es ist kein Doppelzimmer mehr frei. Das Spiel setzt sich auch bei den nächsten Pousadas, die er ansteuert, fort. Nichts mehr frei, alles voll. Aber das ist ja jetzt in erster Linie sein Problem und erst in zweiter unseres. Er läuft mit uns zurück zu seiner Agency. Telefoniert. Hin und her. Zwischen durch erzählt er aber schon von Exkursionen, die er uns hier in der Gegend anbieten könne, und, dass wir doch gleich am Nachmittag mit ihm in die Lençois Maranhenses fahren könnten, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.
Ich sage, jetzt solle er uns erstmal eine Unterkunft besorgen, und dann sähen wir weiter. Wir latschen wieder los.
Und die nächste Pousada, die voll ist. Mittlerweile sind wir – wieder einmal – froh, dass wir ortskundige Hilfe haben. Alleine wäre die Suche hier sehr schwer gewesen, zumal viele Pousadas, die er ansteuert, gar nicht auf den ersten Blick als solche kenntlich sind.

Irgendwann, endlich, haben wir dann Glück und bekommen ein kleines, aber nettes, Zimmer. Verglichen mit dem bei Tia Lucia wirkt es wie ein Holiday Inn im Vergleich zu einer deutschen Jugendherberge :-) Es liegt gleich neben einem sonnigen Innenhof, in dem wir unsere Wäsche waschen und trocknen können, nach dem Aufenthalt im Amazonas ist das auch wirklich nötig. Vorher haben wir aber noch mit unserem neuen Freund abgestimmt, dass wir am Nachmittag mit ihm eine erste Erkundungstour in die Lençois Maranhenses unternehmen würden. Wir sind ja unheimlich gespannt, was uns dort erwartet!

Erste Tour in die Lençois Maranhenses

Nach einer wirklich nötigen Dusche und einer Stunde Entspannung setzen wir uns um 2 vor die Pousada, wo unser Freund uns abholen will. Was wir in den nächsten 2 Stunden erleben werden, ist selbst für brasilianische Verhältnisse als chaotisch zu bezeichnen.
Viele Deutsche würden wahrscheinlich schon nach 30 Minuten den zwanghaften Drang verspüren, ihren Reiseleiter – den es natürlich nicht gibt – anzurufen und ihr Geld für die gesamte Reise zurückfordern. Aber hey – wir sind hier um etwas zu erleben, und um danach etwas zum Erzählen zu haben!

2:00 geplante Abholung

2:15 etliche Jeeps fahren vorbei, keiner hält an.

2:30 immer noch niemand in Sicht. Ich sage zu Diana, die kommen bestimmt bald, wir sind hier in Brasilien.

2:45 Das Mädel aus der Pousada kommt raus: wollten Die Euch nicht um 2 abholen? Jaaaa…. Sie schickt ihren Bruder zu der Agency, wir warten hier, falls er in der Zwischenzeit kommt.
2:50 das Telefon in der Pousada klingelt. Er sei gleich da.

3:00 ein PKW hält, es ist nicht unser Freund, aber ja – er käme uns abzuholen. Er werde uns zur Fähre bringen. Auf halber Strecke hält ihn der Fahrer eines Jeeps an. Kurzes Palaver, welches ich von hinten nicht verstehen kann. Er wendet und fährt wieder zu seiner Agency. Wir sollen wieder aussteigen.

3:10 Wildes „organisatorisches“ Palaver.

3:15 Ein Jeep ist da. Plötzlich ist auch unser Freund wieder da. Einsteigen, losfahren, ganz andere Richtung als eben. Er fährt komplett durch den Ort um dann ganz am anderen Ende vor einem Hotel zu halten. Noch 2 steigen ein. Er wendet, geht’s jetzt endlich in die Wüste?

3:30 Nein. Pousada Nummer 3. Noch 2 steigen ein. Wieder zurück zur Agency. Kurzes Palaver. Dann endlich wieder Richtung Fähre.

3:45 Wir stehen in einer riesigen Schlange aus bestimmt 30 Jeeps, die offenbar alle mit der kleinen Fähre rüber wollen. Wenn wir darauf warten wollen, stehen wir in 2 Stunden noch hier rum.

Ich schaue auf die Uhr, gleich 4, an sich finde ich die ganze Aktion ja schon wieder amüsant, aber um halb sieben wird es dunkel. Die Tour hier soll 40R$ kosten, und wir wollen schon noch bei Helligkeit da ankommen! Ich hatte unseren Fahrer schon mehrfach darauf angesprochen, aber er meint natürlich, kein Problem! Na gut. Lassen wir es auf uns zukommen.

4:10 Plötzlich, als wir uns noch fragen, wie um alles in der Welt sie diese 30 Jeeps da rüber bekommen wollen, ruft uns unser Fahrer und bedeutet uns, wieder einzusteigen.
U-Turn. Wieder zurück nach Barreirinhas. Noch einmal durch den Ort durch. Dann rechts ab zu einer anderen Fähre. Hier ist komischerweise keine Schlange. Wir kommen gleich drauf und über den Fluss.

Auf dem Weg zu den Lençois
Auf dem Weg zu den Lençois


Als wir übergesetzt sind, befinden wir uns auf reinen Sandpisten. Mit anderen Fahrzeugen als diesen extrem hochgelegten Jeeps könnte man hier nicht fahren. Die einzelnen Spuren sind teilweise einen halben Meter tief und ab und an fahren wir durch Pfützen, deren Tiefe man schwer abschätzen kann, aber deren Wasser beim Durchfahren sogar in den Jeep hineinschwappt. Die Vegetation ist hier noch relativ grün auf dem sandigem Boden.

4:45 Wir erreichen eine kleine Furt, an der wir parken. Von hier aus geht es zu Fuß weiter. Wir durchwaten die Furt, davor liegt eine erste, majestätische Düne. Sie wirkt hier auf uns zunächst einmal recht einsam.
Wir steigen durch losen, sehr feinkörnigen Sand an ihrer Flanke empor.

Als wir diese Düne erklommen haben, öffnet sich vor uns der atemberaubende Ausblick auf das Naturwunder der Lençois Maranhenses.

Lençois Maranhenses im Nordosten Brasiliens
Lençois Maranhenses im Nordosten Brasiliens


Lençois Maranhenses im Nordosten Brasiliens
Lençois Maranhenses im Nordosten Brasiliens


Auf der folgenden Karte könnt Ihr Euch einen Eindruck davon verschaffen, wo Barreirinhas und die Lençois Maranhenses liegen und welche Tour wir mit dem Jeep gemacht haben.
Mit „+“ und „-“ könnt ihr rein‑ und rauszoomen und mit der Maus den Ausschnitt verschieben. Dadurch könnt ihr Euch einen Überblick darüber verschaffen, welche imposante Ausdehnung die Lençois Maranhenses haben und wo in Brasilien sie genau liegen!


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