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(K)ein Wasserfall und (k)ein bisschen Ökotourismus



Als wir den Rückweg vom Poas antreten, ist es zwar schon Nachmittag, aber wir haben immer noch Zeit und Lust etwas zu unternehmen. In der Nähe von Alajuela soll laut unserer Karte ein Wasserfall sein, wir beschließen, den anzusteuern.

Wir biegen also kurz vor Alajuela rechts ab und fahren auf der Straße, die wir für richtig halten, einige Kilometer. Eines der Probleme beim Fahren in Costa Rica ist – das sollten wir noch zur Genüge feststellen – dass es hier kaum Beschilderungen gibt. Sehenswürdigkeiten? Kennen die Einheimischen entweder oder sie interessieren sich nicht dafür. Ortsteile? Kennen die Einheimischen, warum sollte man die ausschildern? Größere Städte? Das gleiche Spiel. Wer hin muss, weiß wo es lang geht. Nur wir eben nicht. Und die Straßenkarten von Costa Rica sind alles andere als exakt.

Auf dem Weg zurück nach Alajuela
Auf dem Weg zurück nach Alajuela


Nach einigen Kilometern beschließen wir, zu fragen. Ja, ich weiß. Chuck Norris fragt nicht nach dem Weg. Der Weg fragt nach Chuck Norris. Aber das funktioniert hier irgendwie nicht. Ich bremse also neben einer Bushaltestelle an der ein jugendliches, offenbar frisch verliebtes, Pärchen steht.

Ich beuge mich zum Beifahrerfenster und frage:

„¿Sabe usted dónde están las cataratas?“ (Wisst ihr wo die Wasserfälle sind?)

„Cataratas? – No… no sé…“

Das die sich nicht für Wasserfälle interessieren, hätten wir uns ja auch denken können…

Wir fahren also weiter. Allerdings verlassen wir jetzt die letzten Ansiedlungen und hier ist schlicht und ergreifend keiner mehr, den man noch fragen könnte. Hmm…
Nach einigen weiteren Kilometern schlage ich Diana vor: „Lass uns zurück fahren, das Wetter sieht sowieso nicht mehr so gut aus.“

Sie ist einverstanden.

Ökotourismus – ein schwacher erster Eindruck

Auf dem Rückweg kommen wir an der Ausschilderung zu einem Vogel‑ und Tierpark vorbei. Diana und ich sind eigentlich überhaupt keine Freunde von Zoos und ähnlichen Etablissements, da wir der Ansicht sind, dass Tiere in die Freiheit gehören und nicht in Käfige eingesperrt werden sollten. Das ist auch der Grund dafür, dass wir nicht in solchen Etablissements fotografieren. Uns ist ein in Freiheit fotografiertes Tier tausendmal wertvoller, als eines, das in Gefangenschaft lebt. Da wir nun aber so viel von Costa Rica als Öko-Tourismus-Land gehört und gelesen haben, schlage ich vor, dass uns nun doch einmal ansehen, wie mit dem Thema hier umgegangen wird.

Von außen können wir leider keine Einsicht in den Park nehmen, daher müssen wir wohl oder übel einen recht unverschämten Betrag als Eintritt zahlen. Was wir drinnen zu sehen bekommen, hat nicht viel mit artgerechter Haltung zu tun und deprimiert uns beide.

Die Tiere werden zum Teil in recht kleinen Gehegen und Volieren gehalten. Den Schildern zufolge ist das, was wir hier vorfinden, allerdings schon das, was hier unter artgerecht verstanden wird. Da gehen die Verständnisse dann doch etwas auseinander. Traurig sitzen einige Aras auf Stangen und warten darauf, von Besuchern begafft zu werden. Wer diese Tiere, wie wir, einmal in Freiheit beobachtet hat, dem könnten hier die Tränen kommen.

Schon die Kinder bekommen hier offenbar einen speziellen Umgang mit Tieren vermittelt. Ein Kind, welches hartnäckig einem Pfau hinterherstellt und versucht, diesem seine Schwanzfedern auszuziehen, wird nicht etwa von seinen Eltern daran gehindert, sondern fast noch ermutigt. Sie lachen darüber und erfreuen sich daran, dass das arme Tier panisch davon springt. Man könnte sich jetzt Fragen stellen. Warum schlagen die Pfauen hier permanent ein Rad? Ein Zufall? Oder wurde ihnen irgendetwas gegeben? Warum sitzen die Aras lethargisch auf ihren Stangen, anstatt wegzufliegen. Haben sie denen „nur“ die Flügel getutzt?

Ich bekomme hier Beklemmungen und ganz schlechte Laune. Diana geht es nicht anders. Ein einziger, kleiner positiver Ansatz sind die Schilder, die versuchen, den Besuchern zu vermitteln, dass man keine wilden Tiere (sprich Tiere aus den hiesigen Urwäldern) als Haustiere halten solle. Hoffentlich hilft es!

Etwas desillusioniert ob unserer ersten Berührung mit dem Costa Ricanischen Ökotourismus kehren wir in Heikes Posada zurück. Dort sind wir heute abend zum Spaghetti-Essen angemeldet. Heike und ihr Mann bereiten für uns und die anderen Gäste eine riesige Portion vor…

Sollten die Aras nicht lieber in Freiheit leben, so wie auf diesem Bild aus dem Amazonas?
Sollten die Aras nicht lieber in Freiheit leben, so wie auf diesem Bild aus dem Amazonas?



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