Flug über die Gran Sabana



Mit der einmotorigen Cessna fliegen wir von Cd. Bolívar in den Süden Venezuelas, genauer nach Santa Elena, kurz vor der brasilianischen Grenze. Nach der Überquerung des Lake Guri überfliegen wir nun die Gran Sabana, die Region in der die sagenumwobenen und einzigartigen Tafelberge liegen. Unser Ziel ist es, den höhsten davon, den Mount Roraima, in den nächsten Tagen zu besteigen.

Unsere Maschine ist mit 6 Leuten inklusive dem Piloten und uns besetzt und der gesamte Flug wird ca. zweieinhalb Stunden dauern. Und ich freue mich auf jede einzige davon!

Die Gran Sabana - auch hier leider schon Spuren von Zerstörung
Die Gran Sabana – auch hier leider schon Spuren von Zerstörung

Den Namen „Gran Sabana“ mit mit „Große Savanne“ zu übersetzen würde ihr wahrlich nicht gerecht.

Die Gran Sabana ist eine 450.000 km² umfassende Hochfläche im Südosten Venezuelas. Das Gebiet weist eine sehr alte geologische Formation auf. Die Gesteine stammen aus der Erdurzeit und bildeten früher den westlichen Teil des Urkontinentes Gondwana.

Im Laufe von Jahrmillionen trug die Erosion die Sandsteinmassen ab. Übrig blieben zerklüftete Täler und gewaltige, massive Tafelberge, die von den dort einheimischen Pemón-Indianern Tepuis genannt wurden. Ihr Alter schätzt man auf 70 Millionen Jahre. Es gibt in der Gran Sabana 115 verschiedene Tepuis. Sie weisen auf ihren Hochplateaus eine einzigartige und faszinierende Flora und Fauna auf, da sich hier in der Millionen von Jahren anhaltenden Isolation endemische Arten entwickelt haben. Das heißt, hier fand die Evolution autark, ohne Einflüsse von außen, statt.

Von den Tafelbergen stürzen die höchsten Wasserfälle der Erde, wie zum Beispiel der Salto Angel. Er ist mit fast 1.000 Metern Fallhöhe der höchste bekannte Wasserfall.

Nicht der Salto Angel aber eine traumhafte, weitgehend unberührte Landschaft!
Nicht der Salto Angel aber eine traumhafte, weitgehend unberührte Landschaft!


Die Vorfreude, mit dem Roraima einen solchen Tafelberg zu besteigen wächst und wächst. Einen dieser Berge hautnah zu erleben, ist ein Abenteuer, das für mich im Moment noch ganz irreal ist! Unter uns wechselt sich tiefster Urwald mit Steppe ab. Leider wird das Wetter aber zunehmend schlechter. Wir können nur hoffen, dass wir in den nächsten Tagen, bei unserer Besteigung des Roraima, nicht nur schlechtes Wetter haben!

Die erste Sichtung der Tepuis - leider ist die Wolkendecke sehr dicht.
Die erste Sichtung der Tepuis – leider ist die Wolkendecke sehr dicht.


Die Tafelberge sind, nach allem was wir gehört haben, nämlich für unstetiges und unangenehmes Wetter bekannt. Die Horrorgeschichten reichen bis zu „6 Tage Regen, eisige Kälte und der Berg in Wolken – wir haben überhaupt nichts gesehen und nur gefroren!“. Und so wie das im Moment hier aussieht, können wir uns das lebhaft vorstellen. Je dichter wir den Tafelbergen kommen, um so düsterer wird es nämlich gerade draußen. Wir fliegen durch dunkle Wolken, haben jetzt gar keine Sicht mehr. Hoffentlich weiß der Pilot, wo genau sich die bis zu 1.000 Meter hohen, senkrechten Wände befinden.

Und plötzlich taucht direkt neben uns die Wand eines Tepuis auf. Sie ist zum Glück noch einige hundert Meter entfernt, und wir sind total fasziniert!

Besser als je zuvor, können wir uns gerade in Jimmy Angel hineinversetzen. Jetzt, wo wir uns in einem kleinen Flugzeug inmitten dieses Wetters und den jetzt immer mal wieder links und rechts in Augenhöhe auftauchenden Tafelbergen befinden! Wie schwer muss es für ihn gewesen sein, ohne jegliche moderne Navigationsmittel in seiner Maschine den Winden und den dichten Wolken zu trotzen. Aber uns ist klar: auch wir können uns nur auf die Erfahrung useres Piloten verlassen!

Ein wunderschöner Tepui, nach dem Aufreißen der Wolkendecke
Ein wunderschöner Tepui, nach dem Aufreißen der Wolkendecke



Irgendwann klart es dann etwas auf, und endlich können die Tafelberge richtig sehen und auch fotografieren. Sie sind gigantisch. Nicht nur von der Höhe, sondern auch von ihren restlichen Ausmaßen. Der Gedanke, dass der erste Mensch erst vor ca. 100 Jahren seinen Fuß darauf gesetzt hat, steigert die Vorfreude noch einmal.

Und dann ist es auch schon so weit: vor uns taucht eine kleine Piste auf mit drei, vier Häusern drumherum: Der Santa Elena Airport.

Wir landen in St. Elena an der brasilianischen Grenze
Wir landen in St. Elena an der brasilianischen Grenze


Wir landen, nehmen unser Gepäck aus der Cessna und bevor wir uns nach einer Fahrgelegenheit in das noch einige Kilometer entfernte Santa Elena umsehen können, werden wir erstmal wieder von einem Militärposten in Empfang genommen.

Kontrolle muss sein!
Kontrolle muss sein!

„Passaporte? woher? wohin? warum?“ Alles wird handschriftlich in ein Buch geschrieben und dann können wir endlich los. Denken wir.

Wir halten Ausschau nach einem Taxi. Auf der Straßenseite gegenüber steht eins. Also gehen wir rüber. Auch dort befindet sich ein militärischer Kontrollposten. Aber wir sind ja gerade schon durch… oder?

„Passaporte? woher? wohin? warum?“ „Äh… wir haben doch gerade schon bei dem Kollegen…“ Egal. Nochmal die gesamte Prozedur. Doppelt hält ja bekanntlich besser – und hey, wenn es gegen die Arbeitslosigkeit hilft… Aber auch hier geht es im großen und ganzen problemlos und so steigen wir kurze Zeit später in das Taxi, um in den Ort zu kommen.

Der Taxifahrer spricht portugiesisch, die brasilianische Grenze ist ja gerade mal 10 Kilometer südlich. Oh ist das schön. Es ist, als ob ich eine seit einer Woche angezogene Handbremse löse. Genial. Das Portugiesisch geht mir doch um einiges leichter über die Lippen, auch wenn das mit dem Spanisch bisher wirklich ganz erstaunlich gut geklappt hat…

Der erste Eindruck von Santa Elena ist sehr nett. Ruhiger und entspannter als die anderen Orte, die wir bisher in Venezuela erlebt haben – wahrscheinlich der brasilianische Einfluss :-) – und hier herrscht auch ein sehr angenehmes Klima. Nicht zu heiß, nicht zu trocken.

Der Taxifahrer fährt uns zur Posada Michelle, die von einer Deutschen geführt wird. 20 TBvs soll das Doppelzimmer pro Nacht kosten, das ist völlig in Ordnung. Die Zimmer machen einen gepflegten Eindruck. Wir gehen erstmal duschen und dann legt sich Nico hin. Uns steckt immerhin noch die Busfahrt durchs Landesinnere in den Knochen – wir sind mittlerweile seit bald 36 Stunden auf den Beinen!

Aber irgendwie bin ich jetzt über den müden Punkt hinweg und sichere daher erstmal alle Fotos auf meinen Imagetank um Platz zu schaffen für das, was da noch kommen soll. Und mittlerweile scheint er wirklich langsam Real zu werden: Der Trek auf den Roraima!

Die Flugroute

Hier noch ein Blick auf unsere Flugroute mit Start in Cd. Bolívar, dem Überflug des Lake Guri und der Gran Sabana bis nach Santa Elena. Weiterhin eingezeichnet, die Lage des Mount Roraima am Dreiländereck Brasilien/Venezuela/Guyana. Wie immer kannst Du den Kartenausschnitt mit der Maus verschieben und rein/raus zoomen.


Venezuela – Von Mérida nach Cd. Bolívar auf einer größeren Karte anzeigen


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