Liquid Art – oder wie kommt das Vicuna in den Tropfen?

30112014

Die Tropfenfotografie oder “Liquid Art” ist eine faszinierende Spielart der Fotografie – als mir Carlo Schüler, Teilnehmer meiner Peru Reise auf seinem Tablet seine Tropfen-Bilder zeigte, war ich gleich begeistert und fragte ihn, ob er nicht Lust habe, einen Gastartikel dazu zu schreiben. Er hatte – und so gebe ich hier nun an Carlo ab:

Schon auf der Perureise war klar – das eine oder andere Motiv gehört in den Tropfen.

Liquid Art – und hier die Highspeed Tropfenfotografie – sind ein Spezialgebiet, welches sich problemlos in der heimischen Stube realisieren lässt. Man benötigt keine Dunkelkammer, man benötigt kein Studio, alles wird bei normalem Tageslicht aufgenommen.

Welche Technik benötigt man, um Tropfenfotografie betreiben zu können? Angefangen habe ich vor ca. einem Jahr mit der bestehenden Kameraausrüstung und einem Tropf/Infusionsset aus der Apotheke (musste hierfür bei einem befreundetem Apotheker 2€ investieren). Meine Startausrüstung:

  • Nikon D7100
  • Macro Objektiv 105/2,8
  • Blitz SB900
  • Kabelfernauslöser
  • Stativ
  • Infusionsset

Schnell war klar, dass man für professionelle Tropfenfotos weitere Technik benötigt. Dieses sind inzwischen:

  • Eine Tropfanlage (Eigenbau) mit drei Magnetventilen
  • Ein Microcontroller zum Ansteuern der Magnetventile, Blitzgeräte und Kamera. Ich nutze hier die preisgünstige Variante Crazy Trickler für die 3-Ventiltechnik
  • Mehrere (drei) externe Blitzgeräte. Meine Empfehlung: Yongnuo Blitzgeräte. Man bekommt hier zwei bis drei Blitzgeräte zum Preis eines SB900. Diese sind der entscheidende Kostenfaktor in der gesamten Anlage.
  • Farbfilter zum Ausleuchten für die Blitze

Hier möchte ich jetzt eine spezielle Art der Tropfenfotografie vorstellen: Refraktionen

Bei der Refraktion wird ein (Hintergrund)Bild in einem davor herunterfallenden Wassertropfen gespiegelt. Ich nutze hierzu Fotos im Format 30x45cm, in denen ein ca. Handflächen großes Hauptmotiv in der Mitte des Bildes platziert ist. Der Rest des Bildes wird nachher unscharfer Hintergrund. In meinem Beispiel der Kopf eines Vicunas. Dieses Bild wird dann Kopfüber (die Refraktion spiegelt es ja) im Halbkreis hinter der Tropfanlage positioniert.

Tropfen und Tropfanlage: Bei einer Refraktion wird i.d.R. exakt ein Tropfen im Abtropfvorgang direkt hinter dem Ventilauslass fotografiert. Aus diesem Grund verlängere ich den Ventilauslass um ca. 10-15cm, um den Auslass etwa in die Mitte des dahinterstehenden Bildes zu positionieren.

Kamera und Blitzeinstellungen: Sowohl Kamera als auch Blitzgeräte werden im manuellen Mode betrieben. Kamera: M, 1/125sec, F16, Autofocus manuell, ISO200. Blitzgeräte: Manuell, 1/32 Blitzleistung oder kleiner. Blitzauslösung erfolgt über CLS (alternativ auch über Microcontroller möglich). Über CLS kann ich an der Kamera direkt die Blitzleistung steuern. Wichtig hierbei ist, dass die ohne Blitz aufgenommenen Bilder komplett schwarz sind. Nur durch die kurze Abbrennzeit der Blitze werden die entstehenden Formen ausgeleuchtet und eingefroren.

Der Focuspunkt: Der Autofocus funktioniert bei der Tropfenfotografie nicht. Die Auslöseverzögerungen wären viel zu lange; wenn er denn überhaupt funktioniert. Also muss manuell in den „luftleeren“ Raum ca. 3cm unter dem Ventilauslass fokussiert werden. Erlaubt ist hierbei alles, was zum Ziel führt. Ich nutze hierfür eine lange Schraube, die ich genau an der Stelle positioniere, in der später der Tropfen fallen wird.

Die Ausleuchtung: Eine äußerst diffizile Angelegenheit. Ziel ist es, ein möglichst scharfes Bild ohne Blitzreflektionen im Tropfen zu erzeugen. Arbeite ich mit Acrylscheiben als Diffusor, sind die Tropfen „weichgezeichnet“ und ohne Blitzreflektionen. Arbeite ich ohne Diffusor, sind die Bilder knackscharf, aber (noch) mit Blitzreflektionen. Hier muss man mit der Blitzposition spielen.

Der zeitliche Ablauf (Bild mit zwei Tropfen):

Ventil 1 (linker Tropfen) öffnet bei 10ms auf die Länge von 60ms (angeschlossen ist ein 4mm Düsenauslass). Ventil 3 (rechter Tropfen) öffnet bei 15ms auf die Länge von 60ms (angeschlossen ist ein 6mm Düsenauslass). Die Kamera löst bei 88ms (Hauptblitz2) aus.

Gut zu sehen ist der Einfluss der unterschiedlichen Düsendurchmesser auf das Abtropfverhalten und die Abtropfform. Hier kann man gestalterisch tätig werden. Durch den Zeitpunkt der Kameraauslösung – wenige Millisekunden früher oder später – kann ich jetzt unterschiedliche Tropfenformen im Bild festhalten

Bildbearbeitung: Hier führe ich lediglich Beschnitt, Kontrast, Sättigung und Entfernung von Sensorflecken (durch F16 und Macroobjektiv ein leidiges Thema) durch.

Weitere Bilder zu Liquid Art – Refraktionen, TaT’s, Bubbles, Double Pillar – findet ihr auf meiner Homepage http://wuermbiker.de/

 

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Alle Inhalte © Gunther Wegner

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18 Kommentare bisher


  1. Hallo Carlo und Gunter,
    ein großes Kompliment für diese faszinierenden Aufnahmen. Ich habe einmal vesucht beim Wandern Tropfen die von einem Baumstumpf tropften einzufangen. Habe es nicht geschafft. Die Frage ob ein Macroblitz (Metz) auch funktinieren wurde schon mal gestellt aber nicht beantwortet.
    In Kombination mit einem losgelösten Aufsteckblitz zum Beleuchten des Fotos müsste dies doch auch funktioniren.
    Immer wieder was neues und lehrreiches auf gwenger.de
    Gruß an alle

    • Hallo Albert,
      einen frei fallenden Tropfen in wilder Natur scharf zu erwischen, gehört sicher zu den Glückstreffern eines Fotografen. Ob mit oder ohne Blitz ist dabei irrelevant.

      Im gegensatz zu einer Tropfanlage hast du in freier Natur permanent andere Vorraussetzungen:
      1. die Tropfen sind nie gleich groß
      2. sie müssen nicht immer an der gleichen Stelle abtropfen
      3. der Zeitpunkt des Abtropfens ist immer unterschiedlich
      4. das auffinden der Focusebene.

      Mit einer Lichtschranke kann man das sicherlich in den Griff bekommen. Aber bis diese eingerichtet ist tropft es möglicherweise nicht mehr.
      Gruß Carlo

      • Hallo Carlo,
        Danke für deine ausführliche Antwort. Die Frage mit den Blitzen bezog sich allerdings auf den oben gezeigten Aufbau zur Tropfenfotografie. Da ich den erwähnten Macroblitz besitze könnte ich mir so den Kauf eines oder mehrerer Zusatzblitze ersparen. Obwohl dies doch für die Zukunft eine Überlegung wert ist. Wenn ich dazu komme mir einen Aufbau in der Art wie deiner zu basteln werde ich zunächst einmal versuchen ohne die Ventilsteuer-Einheit auszukommen. Mal sehen wo ich eine Infusionsflasche mit Tropfenregulierung bekomme. Durch diese ist es evtl. möglich die Tropfenfolge ganz gut abzuschätzen.Für den Aufbau der Tropfenanlage konnte ich mir nicht mehr benötigte Registerschienen besorgen. Auf diesen kann man nach entsprechendem Aufbau alles in alle Richtungen verschieben so dass man den die Konstruktion auch für andere Zwecke (z.b. Produkt-Fotos) nutzen kann. Bis ich dazu komme wird es vermutlich Sommer. Sollt alles so funktionieren wie ich es mir vorstelle werde ich darüber berichten.
        Gruß Albert

  2. Hallo Gunther ich bin durch den Artikel über die Touchscreenhandschuhe auf Deinen Blog gekommen und habe mal ein wenig weitergestöbert.
    Deine Fotos und die Erklärungen dazu sind echt atemberaubend.
    Bisher habe ich mich immer gefragt, wie es möglich ist ein Gesicht in einem Tropfen scharf einzufangen. Genial!
    Vielen Dank, dass Du uns an Deinem Wissen teilhaben lässt.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

    • Hallo Marc, danke für das Kompliment – aber an dieser Stelle gebührt es Carlo, der diesen Gastartikel geschrieben hat. Freue mich aber, wenn Du regelmäßig mal wieder vorbei schaust!

  3. Pandora 2. Dezember 2014, 00:15   »

    Moin,

    das ist wirklich ein interessanter Artikel. Zurzeit versuche ich auch gerade ein kleines Setup für die Tropfenfotografie zusammenstellen.

    Ich habe aber eine Frage zu den Blitzen, da diese mein nächstes Anschaffungsziel sind. Kann ich einfach 2-3 Yongnuo Blitze verwenden oder funktioniert dies nur im Zusammenspiel mit einem guten Masterblitz (wie dem erwähnten Nikon Blitz)?
    Wenn ich es richtig verstehe, dann wird der Tropfen auch bei 1/250 sek. Belichtung eingefroren durch die Abrennzeit des Blitzes. Somit ist HSS auch unnötig für diese Art der Fotografie oder sehe ich das falsch?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Gruß

    • Hallo Pandora,
      als Masterblitz nutze ich den internen Blitz der D7100. Hiermit steuere ich sowohl den SB900 als auch die Yongnuo Blitze 565EX an. Ich habe dabei keinerlei Probleme mit des Synchronisation der unterschiedlichen Blitze. Kann zumindest keine Doppelbelichtungen feststellen. Diese Blitze sollten auch HSS kompatibel sein. Schnelle Verschlusszeiten brauchst du nicht zu nehmen; die Bilder sind auf Grund von Macroobjektiv und Blende ohne Blitz sowiso stockdunkel.
      gruss carlo

      • Pandora 3. Dezember 2014, 14:42   »

        Vielen dank carlo,

        das hat mir schon geholfen und ich habe mich nochmal etwas informiert.

        Ich habe vor 2-3 Yongnuo YN560 Mark III Blitze zu nehmen. Vorallem wegen dem Kostenfaktor.

        Natürlich ist die Steuerung über CLS (mit i-TTL) dann nicht möglich. Genauso gut dürfte es aber eigentlich auch mit Funkauslösung oder entfesseltes Blitzen per optischen Blitz gehen oder?
        Das ist noch die Frage, die mich beschäftigt, denn 30 euro pro Blitz weniger für den YN560 sind auch nicht zu verachten.

        HSS haben die Yn 565EX und YN560 laut Beschreibung auch nicht.

        Gruß

  4. Schöner Artikel. Ich habe kürzlich mit sehr einfachen Mitteln Tropfenbilder erstellt und bin mit dem Resultat zufrieden. Neben der D7000 auf dem Stativ habe ich (weil ich kein externes Blitzgerät habe), mit einer Pocketkamera von der Seite geblitzt, während einer Langzeitbelichtung in völliger Dunkelheit. Also, Kamera mit Selbstauslöser, 10 Sec Belichtung und in der richtigen Millisekunde geblitzt. Das ganze war noch mit einem 55mm AI-F. Bilder: https://www.flickr.com/photos/brunok1/15671414688/
    https://www.flickr.com/photos/brunok1/15673163537/

  5. engelbert 1. Dezember 2014, 15:42   »

    Faszinierende Bilder,
    Muss es ein (teures) Macroobjektiv sein (Abbildungsmaßstab 1:1)
    oder kann ich auch Nikon 18-140mm, 10-24mm, oder 35mm Festbrennweite verwenden. Wenn ja muss ich eine Nahlinse draufschrauben? oder würde auch ohne gehen.

    LG. Engelbert

    • Hallo Engelbert,
      ein “teures” Macro muss es sicherlich nicht sein. Weitwinkelobjektive sind ungeeignet. Mit dem Tele geht es bestimmt auch – aber eben der Abbildungsmaßstab. Wenn du an dieser Technik Spaß bekommst, wirst du um ein Macro nicht herumkommen.
      gruss carlo

      • engelbert 3. Dezember 2014, 10:55   »

        Carlo, Danke für die Antwort,
        Eine Frage noch, hast du Erfahrung mit Ringblitzen, sind sie für diese Art von Macrofotografie geeignet, ich würde einen Nissin MF18 um ca. 2oo € bekommen.
        LG. Engelbert

  6. Müssten die Motive in den Wassertropfen nicht wie in der Glaskugel auf dem Kopf stehen?

    Top Beitrag!

  7. Wirklich eine schöne Idee und auch sehr kreativ umgesetzt. Tolle Ergebnisse!

  8. Gudrun Zimmermann 30. November 2014, 17:59   »

    Hallo Gunter,

    zu dem Thema passt jemand aus meiner Ecke ganz gut, der macht auch fantastische Tropfenbilder, er heißt Markus Reugels. Seine web Site ist http://www.markusreugels.de/

    Ich finde das Thema total spannend, ist mir aber persönlich zu aufwendig. Ich freue mich allerdings über die genialen Bilder.

    LG Gudrun

  9. schueppi 30. November 2014, 17:01   »

    Hallo Carlo, hallo Gunther,
    was es nicht alles gibt!
    Das ist ein wirklich sehr interessanter Beitrag, vielen Dank Euch beiden.
    Mal schauen, ob ich das nicht auch mal irgendwann zu einem “Projekt” mache.
    Gunther, ich liebe Deine HP immer mehr…
    Gruß
    Thomas

  10. Frank Rauschenbach 30. November 2014, 11:04   »

    Hallo Gunter,Hallo Carlo,
    das sieht verdammt gut aus! Sehr kreativ Carlo! Auch eure Erlebnisse in Peru sind klasse! Ich hatte auch schon damit geliebäugelt mitzufahren, aber hatte bisher keine Zeit…..
    Lieben Gruß Frank

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