Negativ-Umwandlung in Lightroom mit dem Negative Lab Pro Plugin

3112018

Wenn ihr selbst Negative scannt, kennt ihr sicher die Problematik, daraus ansehnliche Positive herzustellen. Heute zeige ich mit dem NATE Negative Lab Pro euch ein tolles Plugin, das euch diese Konvertierung super bequem und ohne Lightroom zu verlassen ermöglicht.

Negative zu entwickeln ist in der Regel ein Zeitaufwendiger oder qualitativ anfälliger Prozess. Das liegt vor allem daran, dass Film-Negative eben nicht einfach “invertierte” Farben beinhalten, sondern zum einen eine Farbmaske haben und zum anderen auch die Tonwerte in der Regel komprimiert sind.

Anspruchsvolle Negativ-Entwicklung war daher bisher eigentlich nur in Photoshop möglich – mit allen Nachteilen, die dadurch für Lightroom-Benutzer entstehen: man muss den gewohnten Workflow verlassen, hat nicht mehr die komplett nicht-destruktive Arbeitsweise von Lightroom, muss mit großen TIFF oder PSD Dateien hantieren etc. etc. Von dem Zeitverlust will ich noch gar nicht reden.

Nate Johnson, dem einen oder anderen von seinen genialen X-Chrome und E-Chrome Lightroom Presets für die Schwarz-Weiß-Bearbeitung und Film-Simulation bekannt (X-Chrome hatte ich hier im Blog ausführlich vorgestellt) beschäftigt sich seit Jahren mit Filmentwicklung – ob Schwarz-Weiß oder in Farbe – ob positiv oder negativ. Und nun nun hat er ein geniales Plugin entwickelt, mit dem direkt in Lightroom perfekte und anspruchsvolle Negativ-Umwandlungen gemacht werden können und das mit wenigen Clicks. Und im Anschluss kann man noch die ganz normalen Lightroom-Bearbeitungen durchführen.

Wie das ganze funktioniert, habe ich im letzten Fotoschnack im Video gezeigt, möchte es aber hier noch einmal kurz mit einigen Screenshots verdeutlichen.

Nach der Installation von Negative Lab Pro (wie die Installation funktioniert, erklärt Nate ausführlich auf seiner Seite) solltet ihr das jeweilige Negativ zunächst einmal vorbereiten:

Hier das unbearbeitete Negativ, wie es aus dem Scanner kommt:

Nun müsst ihr mit der Weißabgleichs-Pipette die Maske entfernen, dazu klickt ihr mit der Pipette auf den Bereich zwischen den Bildern (die Farbmaske), das Ergebnis sieht nun so aus:

Als nächstes wird das Bild so zugeschnitten, dass die Maske außenrum komplett weggeschnitten wird, das ist wichtig. Dann könnt ihr das Bild noch drehen und ggf. spiegeln.

Warum nicht mit Lightrooms Bordmitteln?

Wer jetzt glaubt, er kann einfach die Tonkurven in Lightroom “umdrehen”, der denkt zu einfach.

Umdrehen der Gradationskurve in Lightroom, invertiert die Farben des Bildes, reicht aber nicht für eine gute Negativ-Entwicklung.

Das wäre das Ergebnis mit “umgedrehter” Tonkurve in Lightroom:

Jetzt kann man natürlich versuchen, die Farben hinzubiegen, aber “einfach so” geht das leider nicht. Ich habe einmal versucht, den Weißabgleich zu korrigieren, allerdings reicht durch die Umwandlung des Negativs und die Farbmaske der Weißabgleich-Bereich in Lightroom dafür nicht aus – und schon sind wir mit unserem Latein am Ende. Einzige Lösung wäre nun, über die Farb-Tonwertkurven weiterzumachen, aber das ist ein elendes Gefummel und viel Trial and Error – ein nachvollziehbares Ergebnis bekommt man mit diesem Vorgehen in der Regel nicht.

Hier ist der Weißabgleichs-Regler schon ganz links und das Bild hat immer noch einen Blaustich. Nicht vergessen: durch die Tonwertumkehr, müssten wir noch weiter nach links, um mehr nach Gelb zu gehen, weiter rechts wird es noch blauer. Nach der Negativ-Umkehr, ist in Lightroom nämlich alles spiegelverkehrt.

Mit dem Negative Pro Lab Plugin

Viel besser geht das mit dem Negative Pro Lab Plugin. Dazu gehen wir mal zurück auf die beschnittene und von der Maske befreite Variante:

Nun ruft ihr das Negative Lab Pro Plugin via Datei/Zusatzmoduloptionen/Negative Lab Pro auf:

Negative Lab Pro öffnet nun seinen Dialog:

Hier klickt ihr nun einmal auf Convert Negative.

Das Plugin analysisiert daraufhin das Bild und erzeugt maßgescheiderte Tonkurven für die Korrektur.

Nun könnt ihr noch AutoColor und AutoDensity anhaken, für eine automatische Farb- und Kontrastkorrektur.

Schon mit diesen Auto-Funktionen bekommt ihr eine hervorragende Negativ-Umsetzung, die ihr dann noch mit den Reglern unter Tones bzw. unten mit den Farbreglern feinabstimmen könnt.

Alternativ könnt ihr nach der Umwandlung auch ganz normal in Lightroom weitermachen, durch einen Klick unten auf Apply wendet ihr die Bearbeitungen an.  Diese wirken sich ausschließlich auch die Tonkurven aus – alle regulären Regler in Lightroom sind nach wie vor noch in ihrer Nullstellung und voll individuell einstellbar.

Beispiel für eine von Negative Lab Pro errechnete Tonkurve, hier der Grün-Kanal – so eine Kurve von Hand hinzufummeln ist fast unmöglich.

Denkt daran, dass Weißabgleich, Belichtung, Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz durch die Umkehrung der Tonwerte jetzt genau umgekehrt funktionieren. Mit Weiß regelt ihr den Schwarzpunkt etc. Das Dynamik-D funktioniert dem entsprechend auch genau umgekehrt.

Mit wenigen Mausklicks bekommt ihr also eine nahezu perfekte Negativ-Entwicklung, und seid immer noch komplett in Lightroom geblieben und könnt alle weiteren Lightroom-Werkzeuge flexibel und individuell nutzen.

Preis und gwegner Rabattcode für Negative Lab Pro

Das Plugin kostet 99 US$, ich finde das absolut angemessen für die Zeit und den Aufwand den man spart, wenn man öfters Negative entwickelt. Nate war so nett und hat allen gwegner.de Lesern einen Rabatt-Code eingerichtet. Mit dem Coupon-Code “gwegner” bekommt ihr für begrenzte Zeit 10 US$ Rabatt beim Kauf des Links. Über diesen Link wird der Rabatt-Code beim Kauf direkt angewandt.

Ihr könnt das Plugin übrigens zunächst auf euren eigenen Negativen testen, 12 Entwicklungen sind kostenlos. Hier könnt ihr euch die Test-Version herunterladen. Probiert ruhig einmal aus, wie weit ihr ohne das Plugin in Lightroom kommt und danach, wie das mit dem Plugin im Vergleich funktionert. Ich bin sicher, ihr werdet beeindruckt sein, wie einfach, schnell und gut die Negativ-Entwicklung mit Negative Lab Pro funktioniert.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Entwickeln eurer Negative!

Hat Dir der Artikel gefallen?

Dann melde Dich doch bitte zu meinem kostenlosen Newsletter an. Darin informiere ich Dich über neue Artikel und Du wirst auch exklusiv als erstes über neue Workshops und Reisen informiert! Außerdem gibt es dort auch ein paar persönliche Hintergrund-Infos, die so nicht im Blog stehen.

Natürlich freue ich mich auch, wenn Du mir bei Facebook, Instagram, Google+ und Twitter folgst. Dort bekommst Du weitere tagesaktuelle Infos...

Alle Inhalte © Gunther Wegner

*) Mit einem Stern gekennzeichnete Links sind externe Partner-Links. Ihr unterstützt mich, wenn ihr darüber bestellt. Alternativ könnt ihr auch über folgende Direktlinks in die Shops wechseln:
Amazon.de, Amazon.at, Amazon.com, Calumet Photo, Kids-of-all-Ages, Augenblicke-Eingefangen, camforpro.com.
Über meine Zusammenarbeit mit externen Partnern habe ich hier ausführlich geschrieben. Danke!

Werbung

Wir freuen uns über Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

7 Kommentare bisher


  1. Claas Harmsen 11. November 2018, 16:30   »

    Moin Gunther,
    das ist zwar eine feine Idee und eine tolle Umsetzung, aber im Verhältnis zu Silverfast (selbst in der SE-Version) keine Alternative. SF SE kostet gut die Hälfte und bietet einem beim Scannen schon eine Fülle von Möglichkeiten der exakten Farbanpassung und bei Dias (und geeignetem Scanner) auch die automatisierte Staub- und Kratzerentfernung. Wenn die Bilder gescannt sind gehts dann als TIFF-Positiv zum “Finetuning” in LR und die Ergebnisse sind wirklich klasse. ;-)

    • Es geht ja vor allem um bereits gescannte Negative und der große Vorteil beim Negative Pro Lab liegt eben darin, dass man alles nativ in Lightroom machen kann.

  2. Klaus D. Holzborn 6. November 2018, 16:51   »

    Moin Gunther,
    eine schöne Idee, leider zu spät, habe meine alten Farbnegative schon durch, allerdings habe ich es mit der Canon abfotografiert und dann bei DPP die Kurve auf negativ verschoben. Danach ist es wie wohl auch in LR, die Korrekturmöglichkeiten sind ziemlich am Ende.
    Danach Umwandlung in TIFF und End-Bearbeitung in PS, und siehe da, es klappt – fast genauso gut wie mit dem von Dir genannten Plug-In-Beispiel. Okay, es lässt sich nun schön über Farbnuancen streiten, aber wer nicht so viele Negative hat, vielleicht ein Tipp.
    Allerdings habe ich auch alte Kodak-Farbnegative – meist Typ CX (die ersten mit Maskierung) aus den 70ern, da sind einige Farben herausdiffundiert (KO-dak). Und da hilft auch dieses Tool nicht weiter, weil was nicht mehr da ist … Es geht nur noch in Schwarzweiß.
    Danke
    LG KLaus

  3. Karsten B. 5. November 2018, 19:27   »

    Hallo Gunther,

    danke für deinen informativen Beitrag.

    Du schreibst:
    „Hier das unbearbeitete Negativ, wie es aus dem Scanner kommt„

    Muss das Negativ unbedingt vom Scanner kommen, oder kann ich es auch mit der DSLR abfotografieren (RAW)? Wenn ja, was sollte ich dabei beachten? Weisabgleich, Belichtung etc.

    Gruß

    Karsten

  4. Moin Gunther,

    dies ist ein äußerst interessanter Artikel von dir. Ich stehe vor einem großen Archiv mit 6*6, 4,5*6 und 24*36 Kodak Color Negativen. Entstanden in ca. 45 Jahren. Die sollen m Laufe der Zeit ins digitale Zeitalter hinüber gerettet werden. An der orange Maske ist immer der Scan gescheitert. Nun gibt es eine Möglichkeit das in Lightroom zu ändern. Ich werde in jedem Falle testen und hier das Ergebnis posten.

    Gruß Friedrich

  5. hallo gunther

    danke für den artikel. gerade habe ich wieder angefangen analog zu fotografieren (mit coolscan 8000) zu scannen. da die nicht raw-files, die ich in lr und ps konvertiert habe am ende immer schlechter waren, als die im scanprogramm (vuescan) “umgedrehten” tiffs, habe ich aufgehört überhaupt raws zu scannen. muss ich jetzt mal wieder probieren.

    gruss
    volker

Unsere Bücher

  • Diana lernt Fotografieren - Buch
  • Zeitraffer Aufnehmen und Bearbeiten

Unsere Empfehlungen

  • Food Fotografie bei Tageslicht
  • Astrofotografie: Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung!
  • Excire Search für Lightroom: Bilder finden statt Suchen!
  • Fotoespresso

Letzte Kommentare