Anleitung und Templates: Zeitraffer Video (Time Lapse) mit Digitalkamera und Lightroom 3

24062010

Aktualisierung

Das hier vorgestellte Verfahren funktioniert nicht mehr mit neueren Lightroom Versionen!

Aktualisierte Tutorials findet ihr hier:

——–

Heute möchte ich Euch zeigen, wie man mit Lightroom 3 eindrucksvolle Zeitraffer Videos – Time Lapse – erstellt und dazu nicht etwa eine Videokamera nutzt, sondern eine Digitalkamera.

Hier ein Beispiel-Video, bestehend aus einigen Zeitraffer-Sequenzen, die ich in den letzten Tagen aufgenommen habe:

Ihr benötigt dazu:

  1. Eine digitale Kamera, die eine Funktion für Intervall-Aufnahmen bietet. Am besten eignet sich natürlich eine Spiegelreflex wegen der manuellen Einstellmöglichkeiten. Teile des von mir gezeigten Videos sind mit der Nikon D300* aufgenommen, andere Teile mit der GoPro Hero HD*, auch sie ermöglicht gute Intervallaufnahmen für Zeitraffer.
  2. Adobe Lightroom 3* – die kostenlose Demoversion reicht erstmal.
  3. Ein stabiles Stativ.

Wir wollen ein Video erstellen, das mit flüssigen 30 Bildern pro Sekunde abläuft. Wenn wir alle 5 Sekunden ein Bild machen, dann läuft also das Video später mit 150-facher Echtzeit-Geschwindigkeit. Das heißt, für 1 Minute Video müssten wir 1.800 Bilder machen – die Aufnahme würde dann dann 150 Minuten dauern, also 2 1/2 Stunden.

Keine Angst, wir brauchen in der Regel keine Minute Filmmaterial. Meine Nikon D300 macht ohnehin maximal 999 Bilder hintereinander im Intervall-Modus, damit erhalte ich später ungefähr eine halbe Minute Film. Das reicht für eine Zeitraffereinstellung, der Zuschauer soll sich ja auch nicht langweilen.

Vorbereiten und Einstellen der Kamera

Also los.

  • Montiert die Kamera auf dem Stativ und stellt die Intervallaufnahme ein. Ein guter erster Wert für das Intervall sind 5 Sekunden.
  • Stellt den Weißabgleich manuell ein (Tageslicht, Wolkig, Schatten oder individuell). Wichtig ist nur, dass er konstant bleibt und nicht von der Kamera nachgeregelt wird, wenn die Lichtsituation sich ändert (denn das wird sie!).
  • Fokussiert auf den Bereich, den ihr scharf haben wollt (Wolken, Horizont, etc.) und schaltet den Autofokus dann ab.
  • Macht eine Probeaufnahme und checkt die Belichtung mit dem Histogramm. Korrigiert entsprechend und merkt Euch Zeit und Blende.
  • Stellt die die Kamera auf manuelle Belichtung und stellt die gemerkten Werte für Zeit und Blende ein.
  • Fotografiert ruhig im JPG-Format, nicht in RAW. Das spart viel Platz auf der Speicherkarte (Anmerkung: im RAW-Format der D300 würden 1.000 Bilder ungefähr 10 GB einnehmen.) Ihr könnt auch die Auflösung herunterstellen. Full-HD hat 1920×1080 Pixel. Es reicht, wenn ihr da leicht drüber seid.

Macht nun noch ein Probebild – alles okay?

Gut, dann geht’s jetzt los. Lasst die Kamera arbeiten.

In der Zwischenzeit könnt ihr Euer Lightroom schon einmal so einrichten, dass es Videos mit 30 Bildern pro Sekunde erstellt. Adobe hat das standardmäßig leider nicht vorgesehen, aber es gibt einen Trick, den ich Euch gleich verrate.

Lightroom Fit machen für schnelle, hochauflösende Videos

Um aus Lightroom heraus einen Film zu erstellen, nutzen wir das “Diashow”-Modul. Es ist eigentlich dazu gedacht, Diashows mit Überblendungen zu exportieren. In der Regel wird dabei jedes Bild einige Sekunden lang angezeigt. Die Idee besteht nun darin, die Zeit für die Anzeige eines Bildes so kurz wie möglich zu wählen (idealerweise 1/30 Sekunde) und somit einen flüssig laufenden Film mit 30 Einzelbildern pro Sekunde zu erhalten.

Die Einstellung findet ihr im “Diashow-Modul” unter “Dialänge”.

Leider liegt die in Lightroom einstellbare kürzeste Zeit bei 0,1 Sekunde, also 1/10 Sekunde. Wir behelfen uns daher, in dem wir Lightroom eine Einstellungsdatei unterschieben, die ein Diashow-Profil kreiert, welches 1/30 Sekunde vorgibt. Interessanterweise funktioniert das.

Diese Einrichtung müsst ihr so wie im folgenden Link beschrieben, einmalig machen. Wenn das Profil einmal eingerichtet ist, könnt ihr sofort mit dem Erstellen des Films im nächsten Abschnitt weiter machen.

Perfekt! Euer Lightroom ist nun fit für Zeitraffervideos mit 30 Bildern pro Sekunde!

Jetzt müsst ihr nur noch abwarten, bis Eure Kamera genügend Material aufgenommen hat…

Los gehts, wir erstellen den Film

Nun, da die Aufnahmeserie beendet ist, wollen wir die Bilder importieren und noch ein wenig bearbeiten. Keine Angst, nicht jedes Einzelne!  ;-)

Einzelbild – vor Bearbeitung


Einzelbild – nach Bearbeitung

  1. Importiert alle Bilder der Serie in einen Ordner.
  2. Entsorgt die Probeaufnahmen ganz am Anfang.
  3. Sucht Euch ein repräsentatives Bild und bearbeitet das Bild in Lightroom, so dass es für Euch gut aussieht (Anschnitt, Schwarzpunkt, Aufhelllicht, Klarheit, Dynamik, Schärfe, ggf. einen Verlaufsfilter für den Himmel, etc. etc…
  4. Markiert nun mit Strg-A alle Bilder (das von Euch bearbeitete wird immer noch angezeigt) und klickt dann auf Synchronisieren. Wählt Alle Auswählen und bestätigt den Dialog dann mit Synchronisieren. Dies wendet alle Bearbeitungsschritte, die ihr an dem einen Bild gemacht hat auf alle anderen an.

Nun wollen wir den Film exportieren.

  1. Wechselt in das “Diashow”-Modul.
  2. Klappt links im Vorlagenbrowser die Benutzervorlagen aus. Geht dort auf den neuen Eintrag 30fps Timelapse. Wählt ihn aus.
  3. Markiert sicherheitshalber nochmal alle Bilder der Sequenz (Strg. A)
  4. Geht nun links auf Video Exportieren.
  5. Im Export-Dialog wählt ihr nun unter Video-Format 1080p aus (zu alternativen Formaten siehe unten), vergebt einen Dateinamen und geht dann auf Save.

Nun arbeitet Lightroom und stellt Euch euren Film zusammen.

Nachdem der Exportvorgang beendet ist, könnt ihr ihn Euch ansehen. Es empfiehlt sich, zum Abspielen der hochauflösenden mp4-Dateien den VLC-Player zu verwenden, in der Regel laufen die Videos damit flüssiger, als mit dem Windows Media Player oder anderen Playern.

720p Videos und andere Formate mit Lightroom

Sollte Eure Hardware bei den Full-HD (1080p = 1920×1080) Videos an ihre Grenzen stoßen, könnt ihr auch Videos in etwas kleinerer Auflösung (720p = 1280×720) erstellen. Auch kann es wünschenswert sein, in anderen Bildwiederholfrequenzen zu exportieren.

Leider bringt Lightroom von Haus aus keine 720p Video-Vorlage mit, die mit 30 Bildern pro Sekunde exportiert und auch keine anderen Auflösungen und Bildwiederholfrequenzen.

Ich habe daher einige Vorlagen für Euch erstellt und biete sie Euch in folgendem Artikel zum Download an. Dort findet ihr auch die Installationsanleitung.

So nun viel Spaß beim experimentieren – ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Eure Ergebnisse bei youtube oder vimeo einstellt und sie hier in den Kommentaren verlinkt. Mit ein bisschen Kreativität werdet ihr schnell noch bessere Ergebnisse erzielen, als ich bei meinem ersten schnellen Probeaufnahmen.

Zeitraffer für Fortgeschrittene

Im Beispiel oben haben wir ja alle Einzelbilder mit den gleichen Einstellungen versehen. In manchen Situationen, z.B. beim Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang möchte man vielleicht Parameter wie den Weißabgleich sukzessive verändern. Hierzu gibt es nun das Tool LRTimelapse und hinter dem Link einen eigenen Artikel, wie es funktioniert und was es bringt.

Weitere Beispiele und Inspirationen

Ein tolles Video, das zeigt, was mit Zeitraffer alles möglich ist, findet ihr hier: Pixel’s Revenge – Digital Timelapse Shooting. Toll anzusehen auch das Zeitraffer-Video des Vulkans Eyjafjallajökull von Sean Stiegemeier, auf das ich schonmal auf Twitter hingewiesen habe.

Habt ihr noch Fragen? Schreibt einfach einen Kommentar!

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134 Kommentare bisher


  1. Frank Lampe 19. März 2016, 20:18   »

    Hallo Gunther,

    habe heute einen Versuch einer Zeitrafferaufnahme gestartet.

    ZU:.. Diese Einrichtung müsst ihr so wie im folgenden Link beschrieben, einmalig machen….

    wo finde ich diesen Link?

    Gruss Frank

    • gwegner 19. März 2016, 23:35   »

      Hallo Frank,
      diese Templates gibt es nicht mehr, da sie von den neueren Lightroom Versionen nicht mehr unterstützt werden. Die Zeitraffer Funktionalität läuft jetzt über LRTimelapse und ein spezielle Lightroom Plugin. Siehe hier.

  2. meetmycamera 21. Januar 2016, 00:33   »

    Hier ist ein Beispiel eines Zeitraffers mit einer kleinen Kerze: https://youtu.be/WYAmywUgAMk

  3. michek 17. September 2015, 13:20   »

    Warum nicht im Raw Format da kann man an sich die Bilder doch besser bearbeiten oder?

  4. Andreas 13. September 2015, 19:21   »

    Also ich frage mich, wenn man in der Nacht ein Zeitraffer vom Sternenhimmel machen will und pro Bild ca. 15sekunden Belichtet, wie ist es möglich dass bei vielen Filmen dann Sternschnuppen zu sehen sind die sich auch im Video dann ganz normal bewegen. Oder wenn man im Video eine Stadt mit Sternenhimmel aufnimmt, dann sieht man die Autobewegungen fliessent….Wer kann mir das erklären?

    • gwegner 13. September 2015, 21:33   »

      Durch die langen Belichtungszeiten bekommt man eine schöne Bewegunsunschärfe. Meteoriten (Sternschnuppen) sind teilweise mehrere Minuten am Himmel auszumachen, dann sieht man sie auch recht lange im Zeitraffer.

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