Die Mondfinsternis – ein kurzes Zeitraffer Video

17062011

Groß war die Vorfreude, ernüchternd für die Meisten dann die Mondfinsternis am 15.06.2011. Die längste und eindrucksvollste in Jahrzehnten sollte es sein, aber über Deutschland legte sich ein relativ dichtes Wolkenband.

Ich selbst war noch auf Rügen und stand dort mit freiem Blick nach Osten direkt am Bodden. Beste Voraussetzungen – eigentlich. Da der Mond bei uns erst nach Beginn der Finsternis aufging, und besonders über dem Horizont die Wolken besonders dicht waren, war die Chance etwas zu sehen gleich Null. Über Facebook erfuhr ich, dass es Euch auch nicht besser ging.

Um 23:15 dann, als ich die letzte Runde mit dem Hund ging, sah ich plötzlich durch die Wolken den Schein des Mondes. Hurra. Schnell zurück, das Stativ wieder hingestellt, so gut es ging fokussiert (schwierig bei schnell ziehenden Wolken) und den Zeitraffer angestellt. Wie ich sah, war die Eclipse noch nicht ganz beendet.

Das (spärliche) Ergebnis seht ihr im folgenden, kurzen Video.

Für mich war das ganze jetzt eher eine Machbarkeitsstudie. Ich wollte versuchen ohne motorisierte Nachführung, wie die Astronomen sie benutzen, den Mond ruhig an einer Stelle des Bildes abzubilden. Das Problem bei solchen Aufnahmen ist nämlich, dass der Mond aus dem Sucherbild der Kamera „wandert“. Ich habe während der Aufnahme insgesamt vier mal den Mond wieder „nach links setzen“ müssen von wo aus er dann wieder nach rechts wanderte.

How to

Hier noch kurz für die (Zeitraffer)-Fotografen unter Euch ein paar Stichworte, wie ich den Mond so (relativ) ruhig bekommen habe. Mit etwas mehr Aufwand würde man es wohl auch perfekt hinbekommen.

Die Bearbeitung erfolgte (natürlich) in LRTimelapse und Lightroom.

Zunächst einmal habe ich versucht, die Helligkeitsschwankungen auszugleichen – da sich die Belichtungssitzuation ständig durch die Wolken veränderte, war ein jeweils korrektes Belichten so gut wie unmöglich. Hier wäre im Nachhinein vielleicht die Aufnahme im A-Modus (mit allen Nachteilen) die bessere Wahl gewesen. So gut es ging, habe ich das mit LRTimelapse korrigiert. Wo der Mond keine Zeichung hat liegt das größtenteils daran, dass durch die Wolken auch keine Zeichnung zu sehen war.

Dann kam die größere Herausforderung: das „Ruhigstellen“ des Mondes.

Ich habe mir dazu in LRTimelapse als erstes jeweils auf das erste und letzte Bild einer Sequenz (Mond ganz links/Mond ganz rechts) einen Keyframe gesetzt. In Lightroom habe ich dann so gefiltert, dass ich nur die Keyframes sah (1 Stern). Ich wählte dann den Beschnitt des jeweiligen Keyframes so, dass alle Beschnitte gleich groß waren (synchronisiert) und dann bei jedem einzelnen Beschnitt der Mond genau an der gleichen Stelle steht. Das geht mit Hilfe eines Post-Its auf dem Monitor ganz gut, welches die Position markiert, dann muss man manuell den Crop verschieben, bis es passt. Nun kommt der Clou – in LRTimelapse ließ ich lineare Übergänge für den Beschnitt zwischen den jeweils benachbarten Keyframes bei den der Mond einmal durchs Bild wandert, berechnen. Da der Mond sich relativ linear bewegt, wird dadurch die Bewegung vollständig ausgeglichen. Der Beschnitt „wandert“ also mit dem Mond mit.
Ich muss sagen, ich war echt überrascht, wie gut das funktioniert hat.

In dem Screenshot seht ihr in der türkis-farbenen Kurve den Beschnitt des linken Randes, wie er jeweils linear „wandert“. Der Crop-Indikator (orangene Rechtecke) ist hier mal für eine Sequenz dargestellt.

Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich, ansonsten kann ich das gerne auch nochmal in einem Screencast zeigen, wenn Euch das Vorgehen im Detail interessiert.

Verpasse nie mehr einen Artikel!

Mit dem kostenlosen EMail-Abo erhältst Du alle neuen Artikel direkt in Deinen Posteingang!

Auf Facebook, Google+ und Twitter bekommst Du darüber hinaus viele weitere tagesaktuelle Infos von uns...

Alle Inhalte ©

Wir freuen uns über Deinen Kommentar!



9 Kommentare bisher


  1. Thilo 5. September 2011, 14:59   »
    Gravatar

    Hallo Gunther,

    ich habe gerade dieses Video von der Mondfinsternis endeckt: http://www.temponaut.de/DE/zeitraffer-video-mondfinsternis_2011.html
    Ich finde es interessant weil es die MOFI einmal von einem anderen Blickwinkel aus zeigt. Habe vorher noch keine MOFI mit Weitwinkel gesehen.

    Viele Grüße und großes Lob für deine Seite
    Thilo

  2. Gero Tuchardt 5. Juli 2011, 05:13   »
    Gravatar

    Guten Morgen!
    Ich habe deine Seite durch Zufall entdeckt und bin begeistert! Die Mondfinsternis konnte ich nicht erleben, dichte Wolkendecke…
    Vor zwei Monaten habe ich mir eine Nikon D5000 zugelegt, weil ich ein altes Hobby wieder aufleben lassen möchte. Früher als Jugendlicher habe ich mit einer kleinen kompakten Penti? (so hieß das Teil, glaube ich) sehr viel fotografiert. Dann mit einer kompakten Digitalkamera, was mich aber nicht wirklich begeisterte.
    Auch würde mich entsprechende Literatur interessieren, speziell zum Umgang mit der D5000 aber auch allgemein zu digitalen Spiegelreflexkameras. Kann mir da jemand einen guten Tip geben? Ich bin ein „blutiger Anfänger“ und für alle Ratschläge dankbar!
    Ich wünsche einen schönen Tag!

    • gwegner 6. Juli 2011, 16:31   »
      Gravatar

      Hallo Gero, eine direkte Buchempfehlung habe ich nicht, aber schau doch mal z.B. hier und check die Rezensionen.
      VLG
      Gunther

      • Gero 6. Juli 2011, 17:29   »
        Gravatar

        Hallo Gunther, ich danke dir für den Tip, die Bücher werde ich mir ansehen!
        Gruß, Gero

  3. IHW 17. Juni 2011, 12:45   »
    Gravatar

    Hallo Gunther,
    da hat die Natur doch noch ein wenig mitgeholfen. Bilder und Musik ergänzten sich sehr gut – ergreifend – trotz der Kürze. Schön!
    IHW

  4. Tobias 17. Juni 2011, 11:05   »
    Gravatar

    Hallo Gunther,
    habe zwar nicht den Mond aufgenommen sondern den Bau eines Baumhaues
    http://www.youtube.com/watch?v=DjJhu0fugbs

    Probleme hatte ich bei der Verwendung deiner SW wegen dem Fehlerhaften Schreiben der Metadaten (denke das ist ein LR Bug zumindest lt. Forum) sodass ich dann letztendlich nur dein Template 30fps benutzt habe. Ich denke viel bringt das verdunkeln des Suchers. Den Eindruck hatte ich zumindest mit und ohne Verdunkelung.
    Gruss
    Tobias

    • gwegner 17. Juni 2011, 11:17   »
      Gravatar

      Hallo Tobias, ja das ist ein Lightroom Bug. Aber in Version 1.3 kann LRTimelapse die fehlenden Metadaten automatisch ergänzen. Solltest Du nochmal probieren.
      Das Abdunkeln des Suchers bringt nur etwas, wenn Du nicht im Ⅿ Modus fotografierst.

  5. Volker Müther 17. Juni 2011, 09:56   »
    Gravatar

    Hallo Gunther,

    trotz der dichten Wolken ein gelungenes Zeitraffer-Video mit stimmiger Musikuntermalung.

    Gruss aus Gerbrunn,
    Volker

  6. Kenny 17. Juni 2011, 09:39   »
    Gravatar

    Hi Gunther,

    also das mit dem Mond haste echt gut hinbekommen. Mein Video werde ich vielleicht mal am Wochenende erstellen, das Problem mit der Belichtung hatte ich aber ebenfalls. Die dunklen Wolken waren vom Kontrast einfach zu stark. Selbst die Geschwindigkeit empfand ich als Problem, mein Funkauslöser kann minimal nur jede Sekunde auslösen was bei der Geschwindigkeit bei mir schon zu leichten rucklern geführt hat. Deine Beschreibung wie du das in LRTimelapse gemacht hast find ich super.

    Viele Grüße
    Kenny

Nächste Reisen

E-Books

Partner



Know How und Equipment

Kamera-Tests

Reisen und Bücher

Videos und Fotos

Social

Letzte Kommentare



Seite durchsuchen
login