Verwirrung um die Frameraten: 24 fps, 25 fps, 30 fps, PAL, NTSC – wann nimmt man was?

17042011

Spätestens, wenn ihr Euer erstes Video mit der DSLR aufnehmt und später schneiden wollt, oder wenn ihr einen Zeitraffer aufnehmen wollt, werdet ihr zwangsläufig über die Frage stolpern, mit welcher Bildwiederholfrequenz ihr das Video denn aufnehmen oder erstellen solltet. Der eine oder andere mag danken: “egal, darum habe ich mich noch nie gekümmert, das passt schon” – ich kann Euch aber versichern, spätestens, wenn ihr ein Video schneiden und mit Aufnahmen anderer Kameras kombinieren wollt, werdet ihr Probleme bekommen.

Daher nehme ich heute die Frage einer Leserin auf und gebe Euch einen kurzen Abriss darüber, welche Bildwiederholfrequenz wann am besten zum Einsatz kommt und hoffe, damit etwas Licht ins Dunkel zu bringen und Euch zu besseren Videos zu verhelfen.

Kurzer Historischer Abriss

Seit 1967 das analoge Farbfernsehen in Deutschland eingeführt wurde, wurde in Deutschland auch im sog. PAL Format gesendet, dieses hat eine Bildwiederholfrequenz von 25 Vollbildern pro Sekunde, oder 50 Halbbildern pro Sekunde.

In den USA und vielen anderen Ländern kam und kommt hingegen das sog. NTSC Format mit 30 fps zum Einsatz (genauer 29.97) bzw. 60 Halbbildern (genauer 59,94 Hz).

Diese unterschiedlichen Frequenzen begründeten sich auch mit den unterschiedlichen Wechselspannungsfrequenzen in den Ländern (Europa 50Hz, USA 60Hz). Früher wurden die Netzphasen als Trigger für den Zeilenprung genutzt.

Wenn Euch das Thema im Detail interessiert, findet ihr hier tiefergehende Informationen zu Videostandards.

Um die Verwirrung nun komplett zu machen, werden die meisten Kinofilme (bis heute) mit 24fps gedreht. Dies führt bei der Konvertierung nach PAL bzw. NTSC zu einigen Seiteneffekten wie duplizierte oder weggelassene Frames, schnellerer Abspielgeschwindigkeiten und anderen. Das sollt aber nicht Inhalt dieses Artikels sein.

Die verhältnismäßig langsamen 24fps bei Kinofilmen haben bei vielen Zuschauern allerdings dazu geführt, dass diese als sog. “Kino-Look” wahrgenommen werden, und die ruckelnden Schwenks und Bewegungen mit Kinofilmen assoziiert werden. Einige Filmemacher schwören daher auch in der Digitalen Zeit noch auf 24fps und wollen unbedingt daran festhalten. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. ;-)

Was bedeutet das für unsere Videos?

Nun, zunächst wisst ihr nun, wie die Zahlen 24, 25, 29.97, 30, 50, 60 zustande kommen. Jetzt stellt sich natürlich nach wie vor die Frage, welche Frequenz für das eigene Movie-Projekt die richtige ist?

Nun, die einzige eindeutige Antwort lautet: “Das hängt davon ab.”
Daher will ich Euch mal einige Kriterien an die Hand geben:

    • Kombinieren mit anderen Aufnahmen
      Wenn Ihr Euer Video in einem bestehenden Videoprojekt mit anderen Filmsequenzen verwenden möchten, müsst ihr die Wiederholfrequenz bei der Aufnahme wählen, die das Projekt hat, ansonsten bekommt ihr hinterher unschöne Ruckler in das geschnittene Video. Wenn ihr eine Kamera dabei habt, die 24fps als höchste Wiederholfrequenz hat, z.B. die Nikon D7000, dann solltet ihr auch alle weiteren Sequenzen mit 24fps aufnehmen – wenn ihr z.B. Aufnahmen einer GoPro Hero HD dazuschneiden wollt, bekommt ihr schon Probleme, da diese mit 25, 50, 30 und 60 fps aufnehmen kann.
    • Verwenden mehrerer Kameras

Wenn ihr mit mehreren Kameras filmt, müsst ihr Euch auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner oder ein gerades Vielfaches (siehe nächster Punkt) einigen

  • Multiplikatoren
    Was ihr tun könnt, ist Frameraten mit ganzzahligen Multiplikatoren kombinieren. Ihr könnt also ohne weiteres 30fps Sequenzen in ein 60fps Projekt einfügen oder umgekehrt.
  • Viel hilft viel?
    Je höher die Bildwiederholfrequenz, um so sanfter verlaufen Schwenks und schnelle Bewegungen und um so mehr Spielraum habt ihr für Zeitlupeneffekte. Wenn ihr nicht gerade einen Kinofilm drehen wollt und Euch bewusst auf 24fps beschränken wollt, oder durch das Projekt eingeschränkt seid, dann nehmt ihr sinnvollerweise also eine höhere Bildwiederholrate.
  • NTSC oder PAL?
    Immer wieder bekomme ich mit, dass Besitzer einer GoPro diese auf PAL einstellen. Dies führt dazu, dass Videos nur noch in 25 oder 50 fps aufgenommen werden können. Stellt man sie hingegen auf NTSC ein, stehen 30 und 60 fps zur Verfügung. Hier noch einmal ganz klar die Ansage: das ist Quatsch. Wenn ihr Euer Video nicht für einen analogen Fernseher ausgeben wollt oder als PAL DVD brennen wollt, dann macht es im digitalen Zeitalter keinen Sinn, sich hier auf die niedrigere Wiederholfrequenz zu beschränken! Eine Ausnahme sind Aufnahmen, bei Kunstlicht, aber dazu mehr weiter unten. Da die Europäische Netzfrequenz 50 Hz beträgt, kann es bei 30fps zu Interferenzen kommen, die sich in Form von Streifen bemerkbar machen. Hier sollte man dann auf PAL gehen. Für Natur und Action-Filmer ist das natürlich nicht so relevant.
  • Speicher und Prozessorbedarf
    Klar ist: Je höher die Bildwiederholfrequenz, um so höher die Anforderungen an Aufnahme-, Schnitt- und Abspielequipment. Ein Full-HD Video mit 60fps belegt nicht nur viel Speicher sondern will auch geschnitten werden und wird viele Abspielgeräte vor Herausforderungen stellen. 60fps empfehle ich daher auch nicht als Ausgabe Framerate, sondern nur für die Aufnahmen. Vor der Ausgabe rechne ich solche Sequenzen (nach Anwendung von Zeitlupe etc.) auf 30fps herunter.
    Der Unterschied zwischen 24 und 30fps macht sich vom Speicherbedarf und der Rechenpower hingegen kaum bemerkbar. Wenn ihr Hardware habt, die 24fps Full HD bewältigen kann, dann bekommt ihr in der Regel auch mit 30fps keine Probleme.

Fazit

  • Wählt 24fps, wenn ihr Euer Video oder Zeitraffer in einem Video-Projekt weiterverabeiten möchten, das mit 24fps läuft.
  • Wählt 25fps, wenn ihr das Video auf eine PAL DVD bringen möchtet oder in Europa bei 50 Hz. Kunstlicht filmt.
  • Wählt 30fps, wenn alle Eure Kameras das unterstützen. Zu diesen Aufnahmen könnt ihr auch High-Speed Material mit 60 fps z.B. von der GoPro dazuschneiden und schöne Zeitlupen realisieren. 30fps ergibt den “weichsten” und schnellsten Ablauf.

Für mich persönlich ist die Situation, dass die Niikon D7000 nur 24fps aufnehmen kann eher unbefriedigend. Zum Einen kann ich die Aufnahmen nur schlecht mit denen meiner GoPro kombinieren und zum anderen sind mir 24fps für Action-Aufnahmen einfach zu langsam – an Zeitlupen ist da gar nicht zu denken. Ich gehe davon aus, dass künftige Nikons, höhere fps unterstützen werden. Den Anfang macht die neue Nikon D5100, diese habe ich mir für die Zwischenzeit als Zusatzbody bestellt. Sie ermöglicht es, als erste Nikon DSLR HD-Videos mit 30fps aufzunehmen. Ich werde Euch darüber berichten.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel der Video-Frameraten bringen und wünsche Euch viel Spaß bei Euern nächsten Projekten! Wenn ihr noch Fragen habt, lasst es mich in den Kommentaren wissen!

P.S. Die Frühlingsfotos habe ich eben in unserem neuen Garten aufgenommen ;-)

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109 Kommentare bisher


  1. Werner 21. August 2016, 12:27   »

    Hallo Gunter,
    neuere Kameras speichern ja schon 50 Hz,
    LCD TVs geben auch 50 Hz wieder.
    Wenn man nur mit einer einzigen Kamera arbeitet, vermute ich, sollte man auch mit 50Hz aufzeichnen, und auch in 50 Hz sein Schnittmaterial exportieren, oder?
    Oder macht es keinen nennenswerten Unterschied, ob man 30 oder 50 verwendet, abgesehen von vorbeifahrenden Autos. Der Speicherbedarf ist ja schon stark unterschiedlich.

    • gwegner 21. August 2016, 15:45   »

      Wenn dann 25 oder 50. Ich würde 50 nur verwenden, wenn du später daraus Zeitlupe machen willst. PAL Standard ist 25 hz in Europa. So würde ich dann auch das Video Projekt anlegen.

      • Werner 21. August 2016, 17:14   »

        Gunther, danke für die Info. Ich hatte angenommen, dass es einen triftigeren Grund gibt als Zeitlupe, Kameras mit 50Hz Funktion auszustatten.
        Aber es beruhigt auch etwas, da die Datenrate und Computeranforderungen beim Bearbeiten dann doch erheblich geringer sind. Also dann wohl eher 25 Hz bei normalen Anforderungen, evtl. 30 wenn es keine Kunstlichtaufnahmen sind… danke für den Bericht !

  2. Frank 16. Juni 2016, 23:46   »

    Der Artikel ist schon sehr aufschlussreich…nur…wenn ich jetzt meine Nikon D5100 auf 30fps einstelle und eine Actioncam mit 60fps beides in 1080p Filme dann ist das ja scheinbar im Videoprogramm zu verarbeiten, kann das aber über einen Smart-tv oder eine ps3 nicht ohne Streifen drauf, also typische ntsc Merkmale wiedergeben? Hab ich das richtig verstanden? Oder muss ich dafür dann den fertig zusammengeschnittenen Film nochmal in ein praktikableres Format umwandeln? MP4 mit wieviel Fps ?

    • gwegner 17. Juni 2016, 09:55   »

      Nach dem Schnitt wird ja eh neu exportiert/codiert, in Deinem Fall dann in 30fps.

      • Rolf 17. Juni 2016, 10:14   »

        Hallo Gunther, Wenn ich Dich richtig verstanden habe, gibt es beim Konvertieren von 60 auf 30 keine Probleme. Was ist dann aber mit den daraus berechneten “Doppelbelichtungen”, Überlagerungen wenn das Schnittprogramm die Bilder übereinander legt.

        • gwegner 17. Juni 2016, 10:20   »

          Weiß nicht, wie das jeweilige Schnittprogramm das im einzelnen macht, sieht man aber bei der Abspielgeschwindigkeit ohnehin nicht.

  3. Charly 5. Juni 2016, 23:46   »

    Hallo, danke fuer den Artikel,er hat mir sehr geholfen. Ich überlege nämlich momentan welche Kamera ich mir zu legen soll und schwelge noch zwischen 2 Modellen, die sich eigentlich nur in der Framerate unterscheiden. Dank dieses Artikels weiß ich jetzt welche Kamera ich mir kaufen werde :).

    LG Charly

  4. Clemens 5. Juni 2016, 18:37   »

    Hallo zusammen,

    hmm den Beitrag hätte ich früher lesen sollen :((

    Mir ist genau das passiert…mit iPhone gefilmt (Default 30 FPS) und mit der Sony A7 mit 25 FPS -> leider ruckelt das Video ….naja jetzt hab jetzt meine Kameras aus NTSC umgestellt

    Danke für den Artikel !!!!

    Gruß

    Clemens

  5. Lars 29. April 2016, 16:57   »

    Moin Gunther,

    in meinem letzten Urlaub habe ich Videomaterial mit 24fps (D7000) und 30fps bzw. 60fps (GoPro) produziert. Diese nöchte ich nun in einem Film zusammenschneiden. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist deine Empfehlung, genau das nicht zu machen und in einem Film zu kombinieren, da es sonst zu den unschönen Rucklern kommt. Soweit verständlich.

    Leider habe ich deinen Bericht nicht vorher gelesen und kannte mich mit der “Videografie” ;-) nicht aus. Gibt es dennoch eine Möglichkeit, beide Kameras zu einem Film ohne Ruckler zusammenzuschneiden? Kann man die Sequenzen (z.B. der D7000) im Nachhinein noch auf 30fps hochrechnen lassen? Was empfiehlst du?

    Abschließend noch eine Frage zu PAL oder NTSC: was ist deine Empfehlung für die Aufnahme (Landschaft und/oder Action)?

    • gwegner 29. April 2016, 17:05   »

      60/30 geht ja zusammen. Dann müsstest Du am besten die 24 auf 30 beschleunigen (im Video Programm, z.B. Premiere heißt die funktion “interpretieren”) – das funktioniert natürlich nur, wenn Du den ton nicht brauchst.
      Ansonsten musst Du halt damit leben, dass die 24fps sequenzen etwas ruckeln. Kommt ja auch immer auf die Szene an.
      Zu PAL/NTSC habe ich ja ausführlich geschrieben – heißt ja nichts anderes als 25 vs. 30 fps.

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