Meine Gedanken zu den neuen Nikons – von DX auf Vollformat (FX) umsteigen?

5042012

Die gesamte Fotografenwelt schaut auf die neuen Boliden, die Nikon in den letzten Wochen vorgestellt hat, die D4 und die D800. Die Mehrheit ruft laut “boah eh” und hakt das eigene Equipment als veraltet ab, sind doch die Eckdaten auf den ersten Blick zu verlockend. Heute will ich mal darüber sprechen, warum ich hier nicht zugeschlagen habe und lieber in teures Glas investiert habe.

Lösen wir uns an dieser Stelle einmal von der D4, die sicherlich den Profis und einigen Wannabes mit zu dickem Geldbeutel vorbehalten sein wird und wenden uns der D800 zu, einer Kamera bei der die schiere Auflösung von 36MP bei vielen den “habenwollen” Reflex auslöst. Bei einem Preis von knapp 3.000€ für das Gehäuse sicherlich auch kein Schnäppchen aber doch noch in Regionen die den einen oder anderen dazu ermutigen könnten, seinen Kreditrahmen aufzustocken.

100% DX.

Ich bin ehrlich, mich persönlich fixt die D800 irgendwie nicht so richtig an, die D4 sowieso nicht, denn die ist mir einfach zu schwer und zu teuer. Aber ich stelle mir im Moment auch wirklich ein bisschen die Frage, welche Strategie Nikon im Moment langfristig verfolgt.

Die Profis werden bedient, soviel ist schon mal sicher. Viele Fotografen-Kollegen, die täglich mit zwei Kameras durch die Gegend laufen und damit ihre Brötchen verdienen, werden sicherlich zuschlagen und sich das Gespann D4/D800 zum Preis eines Kleinwagens zulegen.

Im Einsteigerbereich sieht es schon anders aus. Mit der V1 setzt Nikon auf ein komplett neues, spiegelloses System mit Mini-Sensor – ob das den erwartete Erfolg hat, bleibt abzuwarten.

Im DSLR Einstiegsbereich mit DX-Sensor gibt es im Moment die Nikon D5100 mit 16MP, die ältere D3100 mit 12MP lasse ich auch mal außen vor, denn die ist mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen und der Nachfolger, die D3200 angekündigt.

In der Mittelklasse mit DX-Sensor tummelt sich die D7000, die die gleiche (sehr gute) Bildqualität bietet, wie die D5100, weil sie den gleichen Sensor und Bildprozessor hat aber darüber hinaus eine professionellere Anmutung mit größerem Sucher und mehr Tasten am Gehäuse hat.

Ältere DX-Modelle, wie die D300s oder die D90 können hier vom Rauschverhalten nicht das Wasser reichen, daher lasse ich sie in dieser Betrachtung auch mal außen vor.

Nun stellt sich für viele Fotografen, die heute mit dem DX-Format (also mit einem Crop-Sensor) fotografieren, ja die Frage, wo die Reise hin geht. Wird Nikon das DX-Format irgendwann aussterben lassen? Macht ein Umstieg auf den größeren FX-Sensor Sinn?

Für mich gibt es eine ganz klare Antwort: das DX-Format sterben zu lassen wäre der größte Fehler, den Nikon machen könnte. Ganz im Gegenteil. Der Hauptgrund, weshalb überhaupt DSLR mit FX-Sensor vor einigen Jahren auf den Markt gebracht wurden, waren aus meiner Sicht:

  1. das Rauschverhalten der Sensoren war damals noch so schlecht, dass man es am einfachsten durch Vergrößern der Fläche erhöhen konnte und
  2. die Fotografen kannten das Format als Analog-Zeiten und wollten es unbedingt wieder haben, um sich von den Amateuren abzusetzen

Jaja, die Schärfentiefe ist natürlich bei FX geringer, ich weiß. Auch das wird gerne immer wieder angeführt, dabei ist das hochgradig relativ, denn die Schärfentiefe hängt neben der Sensorgröße noch von einer Vielzahl weiterer Parametern (Entfernung zum Motiv, Blendenöffnung, Brennweite etc.) ab. Gute Objektive zaubern bei richtigem Einsatz auch an DX ein fantastisches Bokeh. Und wer das nicht glaubt, schaut mal in meinen Foto-Galerien vorbei. ;)

Die Vorteile des DX-Sensors sind meiner Meinung nach aber nicht einfach weg zu wischen:

  1. Kleinere Kameras und Objektive
  2. Günstigere Kameras und Objektive (kleinere Sensoren, weniger Glas)
  3. Brennweitengewinn im Tele-Bereich. Aus 200mm werden 300mm.

Schon mit 200mm kann man auf einem 16 Megapixel DX Sensor den Bildausschnitt abbilden, den ein (viel teureres) 300mm an FX abbildet. Bei 16MP bleibt dann noch genügend Raum für Ausschnittsvergrößerungen. Ich persönlich habe bis heute keinen Grund gesehen, warum FX mir zu besseren Bildern verhelfen sollte. Das einzige, was ich beneidet habe, ist die ISO-Leistung der D700. Sie rauscht bei hohen ISO Werten definitiv weniger und zeichnet mehr Details trotz bzw. wegen ihrer “nur” 12 MP.

Nun aber mal Butter bei die Fische: jetzt kommt eine D800 mit 36 Megapixel, die bläst doch alles Weg. Croppen bis der Arzt kommt, Teleobjektive werden überflüssig. Wer braucht da noch das DX Format? So habe ich auch zunächst gedacht. Weg mit der D7000 – die D800 kommt her und ich spare mir das Geld für ein teures Teleobjektiv sondern mache später einfach Ausschnittvergrößerungen.

Fataler Denkfehler! Schauen wir uns mal an, was der so imposante 36 MP Sensor der D800 eigentlich ist!

Ketzerisch könnte man sagen: er ist ein D7000 Sensor mit Rahmen! Die Pixeldichte beider Sensoren ist nämlich genau die gleiche. Die zusätzlichen 20 Megapixel füllen einfach “nur” den äußeren Rahmen aus!

Der Naturfotograf in mir sagt jetzt: warum soll ich mir eine D800 kaufen, wenn ich dann doch bei den meisten Aufnahmen wieder beschneide, um einen engeren Bildausschnitt zu bekommen? Wenn für großformatige Plakate fotografiert oder im Studio, sieht das natürlich anders aus. Da wird man dann auch die gesamte Bildfläche nutzen wollen und hat ggf. Verwendung für die vielen Pixel.

Mein Fazit

Im Bereich der Naturfotografie sind Kameras mit DX Sensor aus meiner Sicht klar im Vorteil durch ihre Brennweitenverlängerung und letzten Endes natürlich auch durch ihre kleinere und leichtere Bauform. Klar kann ich auch die D800 im “DX-Modus” betreiben, dann sehe ich aber nur noch einen Mini-Ausschnitt im Sucher, eine wirkliche Lösung ist das nicht.

Für die Zeitraffer-Fotografie sind schon 16 Megapixel zuviel, 36 völlig ungeeignet. Hier wünsche ich mir die hohe ISO-Leistung einer D700 oder D4 in einem DX Gehäuse – die Auflösung von 16MP ist hier perfekt, sie lässt auch bei 4K-Videos noch Raum für etwas Beschnitt.

Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass sich Nikon besinnt und irgendwann die lang ersehnte D400 mit DX Sensor vorstellt und hoffentlich hier nicht auch dem Megapixelwahn verfällt sondern lieber einen Sensor mit weniger Pixeln vorsieht, der dafür aber die ISO-Leistung einer D700 hat! Technisch wäre das heute sicherlich möglich.

Ich weiß jetzt schon, dass dieser Bericht sicherlich sehr kontrovers diskutiert werden wird. Vor allem von denjenigen, die sich gerade eine D800 gekauft haben, oder auf das Vollformat schwören. Daher hier nochmal: Vollformat und die hohe Auflösung der D800 haben sicherlich ihre Berechtigung. Was ich nur mal loswerden wollte ist, dass nicht immer die “viel hilft viel” Devise gilt. FX ist nicht automatisch besser als DX und das auf jeden Fall “erstrebenswerte” Format. Alles hat seinen Einsatzzweck.

Meine Entscheidung für DX habe ich ganz bewusst aus genannten Gründen getroffen und nicht, um Geld zu sparen.
Die neuen FX-Nikons lassen jetzt auch nicht alles Andere plötzlich schlecht sein. Das gilt genauso für den Megapixel-Wahn. Mehr ist nicht unbedingt besser. Die großen Dateien ziehen wieder ganz andere Probleme nach sich und je kleiner die Pixel sind, um so stärker ist das Rauschen. Das gilt auch für Kameras auf echt hohem Niveau, wie die D800. Hätte Nikon ihr mit der aktuellen Technologie einen 16 MP Sensor verpasst, wäre dieser sicherlich einer der rauscharmsten überhaupt geworden – und ich möglicherweise doch noch schwach. ;-)

So – nun bin ich auf Eure Meinung gespannt!

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88 Kommentare bisher


  1. Burkhard Thomann 2. Juli 2016, 12:35   »

    Sehr gut auch wenn schon älter

  2. Werner Hölzl 29. Mai 2016, 10:59   »

    Hallo Herr Wegner,
    mir gelingt der Umstieg aus der Analogtechnik nicht.
    Habe eine D5300 mit dem AF-S Micro Nikkor 85mm. Aber unabhängig, welches Nikon Objektiv ich einsetze, die Makro Aufnahmen sind aus meiner Sicht unbrauchbar. Mit meiner alten Canon A1 und Canon Makro Objektiv war zum Beispiel bei einer Ragwurz (Bsp. Fliegenragwurz, blüht zur Zeit) jedes Härchen gut sichtbar. Das macht auch den Reiz an solchen Motiven, die nur 1-2 cm groß sind. Habe mich nun mit der D5300 reichlich befasst und komme zu keinen brauchbaren Ergebnissen. Kommt man mit dem FX Format deutlich weiter oder muss ich meine alte Analogkamera wieder aus dem Keller holen? Würde mich sehr freuen, wenn Sie mir einen praktischen Ratschlag geben könnten.
    Viele Grüße
    Werner Hölzl

    • gwegner 29. Mai 2016, 11:15   »

      Versuche doch mal einzugrenzen, was das Problem ist. Arbeitest Du mit Autofokus? Ggf. ist der dejustiert? Lies mal hier.
      Ich würde mal die Kamera auf ein Stativ stellen und versuchen ein solches Makro aufzunehmen – aber dabei im Liveview fokussieren. Entweder dann per Liveview-Autofokus oder manuell, dazu dann mit der “+” Taste an der Kamera ganz weit reinzoomen und manuell scharfstellen.
      Es ist natürlich fast unmöglich von hier aus eine Ferndiagnose zu stellen. Aber soviel kann ich sagen: mit Analog vs. Digital hat das nichts zu tun.

  3. christoph 27. April 2016, 19:17   »

    Übrigens – nur mal so: Genau genommen ist das Argument, DX (APS-C) sei gut oder besser für den Tele-Bereich und FX besser geeignet für Weitwinkel, ziemlicher Unsinn. Ebenso könnten die Mittelformatfotografen sagen: Kleinbild (FX) ist viel besser für die Tele-Fotografie und Mittelformat ist gut für Weitwinkel. Was würde denn die KB-(FX)-Gemeinde von so einer Sichtweise halten?!
    Denkt
    Christoph

  4. Marcel 29. Januar 2016, 09:41   »

    Guten Morgen Gunther.

    Ich habe an anderer Stelle (UWW-Vergleich) erst vor ein paar Tagen angedeutet, dass ich mir aktuell zwei Upgrade-Optionen zusammengestellt habe: D500 oder D750
    Wie so häufig das alte Thema, Crop oder Vollformat. Ich habe mich wirklich sehr lange und ausgiebig mit der Thematik auseinandergesetzt und bin sehr froh, bei dir zu sehen, dass du auf beides setzt, dir die Vorteile beider Formate zu Nutze machst und dich letztendlich sehr objektiv mit dieser “Gretchen-Frage” befasst. Natürlich würde ich, gäbe es der finanzielle Rahmen her, auch auf beides setzen.
    Der für mich alles entscheidende Faktor stellt für mich der Tele-Bereich dar. Ich habe eine sehr genaue Vorstellung wie Bilder, die ich im Tele-Bereich schieße, auszusehen haben. Leider kann ich hier jetzt mit keinem Fachbegriff dienen, daher hoffe ich du verstehst was ich meine und kannst mir die entsprechende Antwort geben.
    Wenn ich mit meiner D5200 eine Küsten-/Berglandschaft ablichte, dann einen Bildausschnitt wähle und dies im Vergleich setze zu einer Vollformat-Aufnahme im gleichen Brennweitenbereich, wirkt das Vollformat-Bild für mich wesentlich “tiefer”, selbst wenn man davon ebenfalls nur einen Ausschnitt wählt. Unabhängig vom Fokus, rein die Fläche die ich von der Landschaft auf das Bild bekomme bei Brennweite x ist (wahrscheinlich ganz einfach aufgrund der Sensorgröße) mehr und daher die von mir beschriebene Wirkung auf mich.
    Ich hoffe das war verständlich und du weißt damit etwas anzufangen.

    Würde mich sehr über ein Feedback freuen.

    Beste Grüße,
    Marcel

  5. Michael 18. Januar 2016, 15:29   »

    Hallo Gunther,

    danke für Deine sehr pragmatische Abhandlung dieses Themas. Ich besitze eine D90, vorher hatte ich eine F90, bin also immer schon auf NIKON fixiert. Die D90 soll einer neuen Kamera weichen. Ich fotographiere in der Hauptsache Architektur und Landschaften. Wenn ich Deinen Artikel richtig verstehe, würde mir eine FX gar nichts bringen. Es wäre aslo die D7200 die richtige Wahl ? Bin reiner Amateur, kenne die Grundlagen der Fotographie ganz gut, aberbin natürlich weit entfernt von solchen Vollprofis wie Dir. Mein Kursleiter an der VHS schwört auf FX wegen der 2 Blenden, die man gewinnt. Aber wenn ich lichtstarke Objektive habe, kann mir das doch eigentlich egal sein, wenn ich Dich richtig verstehe ?

    Danke im voraus für eine kurze Antwort. Hoffe, Du gibst Dich auch mit reinen Amateuren ab :-)

    Viele Grüße aus Bayern
    Michael

    • gwegner 18. Januar 2016, 17:31   »

      Hallo Michael,
      2 Blenden? So pauschal kann man das gar nicht sagen. Hängt vom Sensor etc. ab. Und wenn Du lichtstarke Objektive hast, schau Dir mal meinen Bericht über das 18-35 Sigma f/1.8 an, damit bekommst Du einen sehr guten “Vollformat-Look”.
      Ich denke, die D7200 ist schon eine sehr große Weiterentwicklung zur D90, den Unterschied wirst Du deutlich merken.

      • Michael 18. Januar 2016, 20:43   »

        Lieber Gunther,
        danke für Deine schnelle Antwort. Das Sigma habe ich auf Deiner Seite schon gesehen, ich habe- wie Du- von Sigma bisher nicht so viel gehalten, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Ich denke, es wird wohl die D7200 werden, die hat mir mein Händler auch schon empfohlen, er hat mich wohl ehrlich und gut beraten.
        Vielen Dank, ich werde weiter Deinen Blog verfolgen !
        Viele Grüße
        Michael

        • wolfgang 4. März 2016, 18:58   »

          Hallo!

          Hatte die D-800 ca 1,5 Jahre und voriges Jahr verkauft. Vor 2 Wochen die D7200 zugelegt :-). Bin gespannt wie die “Umstellung” in meinem Gehirn vollzogen wird… Habe derzeit nur mehr das 18-140er (Set) Objektiv, will mich aber in Zukunft mehr auf “das wesentliche” Konzentrieren und mir “nur mehr” das AF-S 300/4,0E PF ED VR kaufen und das 105er Makro von Sigma zulegen.. Bin gespannt wie diese 2 Objektive mit einer “DX” zurecht kommen :-)

          • SaRo 5. Juni 2016, 21:56   »

            Hallo Wolfgang,
            ich habe besagtes 105mm-Makro von Sigma, meine Kamera ist eine D5000 und das Objektiv ist einfach… Hach… Großartig! Du wirst nicht enttäuscht sein. ;)

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