Mit dem Sigma USB Dock den Fokus kalibrieren – Tutorial

7012016

Die Sigma Art Objektive bestechen nicht nur durch ihre Bildqualität und Bauweise, sie erlauben dem Nutzer mit einem speziellen USB-Dock auch gewisse Konfigurationen vorzunehmen, die sonst dem Service vorbehalten sind. Dazu gehört die Feineinstellung des Autofokus. Warum das sinnvoll ist und wie das ganz einfach geht, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Fokus-Ungenauigkeiten kennen Benutzer von Spiegelreflex-Kameras schon seit den ersten Autofokus Objektiven. Die Ursache dafür liegt einfach in dem Prinzip, wie der sog. Phasen-Autofokus der Kameras funktioniert. Das habe ich schon einmal in einem  separaten Artikel erklärt. Vereinfacht gesagt kann es Unterschiede zwischen der tatsächlichen Entfernung eines Objekts und der vom Autofokus gemessenen Entfernung geben – und das ist leider recht üblich – dann liegt der Fokus beim Fokussieren durch den Sucher hinter oder vor dem anfokussierten Objekt, man spricht dann vom Back- oder Frontfokus.
2015-12-28_153959_GW_0083
Bei einigen Kameras kann man dafür in der Kamera selbst Korrekturwerte hinterlegen, diese beziehen sich jedoch meist auf den gesamten Fokusbereich und sind auch nicht immer ganz einfach zu konfigurieren.

Einen besseren Weg geht meiner Meinung nach Sigma. Seit der Einführung der Art, Sports und Contemporary Serien, kann man diese Objektive mit einem speziellen USB-Adapter, dem sog. USB-Dock selbst kalibrieren (Liste der unterstützten Objektive). Bisher hatte ich selbst noch keine Veranlassung gesehen, meine Objektive zu kalibrieren, doch die Fokus-Ungenauigkeiten meines neuen 20mm Sigma Art (zu meinem Testbericht) ließen mich dann doch zum USB-Dock greifen, um es einzustellen. Hier meine Erklärung, wie das ganz einfach und pragmatisch geht.

Einstellen des Autofokus mit dem Sigma USB Dock

Jede moderne DSLR bietet zwei Arten des Autofokus: zum einen den Phasen-Autofokus – das ist der, der aktiv ist, wenn wir durch den Sucher schauen und fotografieren und zum anderen den Kontrastautofokus, das ist derjenige, der aktiv ist, wenn wir im Live-View fotografieren.

Der Phasen-Autofokus (diesen hatte ich hier schonmal erklärt) ist derjenige, der anfällig für Front- und Backfokus ist. Der Kontrastautofokus ist hingegen immer exakt, wenn er genügend Kontrast im anfokussierten Objekt findet.

Die unterschiedlichen Charakteristika dieser beiden Autofokus-Varianten machen wir uns nun zunutze, um den Phasen-Autofokus zu kalibrieren. In diesem Artikel habe ich schon einmal erklärt, wie man Back- oder Frontfokus erkennt. Im Prinzip messt ihr den Fokus einmal mit ausgeschaltetem Live-View (Phasenautofokus) und einmal im Live-View (Kontrastautofokus). Wenn sich vorne am Objektiv die Entfernungsanzeige dabei unterscheidet, habt ihr einen dejustierten Fokus. Auf diesem Prinzip beruht die von mir nun im Folgenden vorgestellte Vorgehensweise beim Kalibrieren mit dem USB-Dock.

Zunächst benötigt ihr das USB-Dock von Sigma, dieses gibt es für die unterschiedlichen Bajonettversionen:

→ Sigma USB Dock für Nikon, Canon, Sony, Sigma, Pentax.

Anschließend ladet ihr euch die Software Sigma Optimiziation Pro von der Sigma Website herunter. Dort findet ihr Downloads für Windows und Mac.

Nun könnt ihr euer Objektiv mit dem USB Dock verbinden und das USB Kabel in den Rechner stecken.

Nach dem Start der Sigma Optimization Pro Software, checkt diese zunächst einmal nach einem Firmware-Upgrade für das Dock sowie für das angeschlossene Objektiv. Falls ein Update gefunden wurde, solltet ihr dieses als erstes direkt einspielen lassen.

Im Anschluss, klickt ihr auf Individualisierung…

2015-12-28 14_23_06-SIGMA Optimization Pro

…dann auf Fokus-Einstellung.

2015-12-28 14_25_13-SIGMA Optimization Pro

Nun erscheint der Fokus-Einstellungsdialog.

2015-12-28 14_26_06-SIGMA Optimization Pro

Es gibt 4 Fokusbereiche, die unabhängig voneinander eingestellt werden können, beim 20er z.B. 0.276m, 0.4m, 0.6m und Unendlich.

Das Einstellen ist nun ganz einfach. Fangt mit der Kalibrierung für Unendlich an.

Kalibrieren der Unendlich-Einstellung

  1. Stellt die Kamera auf ein Stativ, M-Modus, Offenblende (!) – also Blende 1.4 bei den Sigma Art Objektiven und stellt die Belichtungszeit entsprechend so ein, dass ihr ein einigermaßen vernünftig belichtetes Bild bekommt. Stellt die Kamera im Garten auf oder öffnet ein Fenster und richtet die Kamera nach draußen. Den Autofokus stellt ihr auf Einzelfeld, als Messfeld wählt ihr das in der Mitte. Dieses richtet ihr auf irgendetwas in mehr als 50 Metern Entfernung, das etwas Kontrast aufweist, so dass ihr darauf fokussieren könnt. Zum Beispiel eine Baumgruppe in der Ferne.
  2. Nun schaltet die Kamera in den Live-View. Das Live-View-Fokusfeld sollte auch genau in der Mitte platziert sein, so dass es exakt die Stelle fokussiert, auf der das Messfeld im Sucher gezeigt hat.
  3. Nun fokussiert im Live-View. Haltet den Auslöser halb gedrückt, solange, bis vorne am Objektiv die Entfernungsanzeige zur Ruhe kommt. Schaut weiterhin auf diese Anzeige und schaltet den Live-View aus. Nun fokussiert noch einmal und beobachtet die Skala dabei. Wenn sich der Fokus nicht verändert, ist er ohnehin perfekt eingestellt. Wenn die Skala sich leicht nach rechts dreht, habt ihr einen Backfokus, wenn sie sich leicht nach links dreht, habt ihr einen Frontfokus.
  4. Nun setzt ihr das Objektiv wieder in das Dock und klickt auf den Bereich “Unendlich”. Dort tragt ihr nun einen Korrekturfaktor ein. Hier müsst ihr etwas probieren. Bei einem Backfokus, müsst ihr in den Minus-Bereich gehen, beim Frontfokus in den Plus-Bereich. Nehmt erst mal 5 als Wert mit dem jeweiligen Vorzeichen. Dann klickt ihr auf “Übertragung” (wichtig, sonst wird der Wert nicht ins Objektiv geschrieben!).
  5. Nun wieder das Objektiv an die Kamera und noch einmal probieren. Normalerweise sollte die Abweichung zwischen Live-View-Autofokus und Phasenautofokus nun geringer geworden sein. Macht das solange, bis die Abweichung kaum noch merkbar ist.

Etwas nervig ist, dass die Software bei jedem Ansetzen des Objektivs nach einer aktualisierten Firmware sucht, das ist wirklich unnötig und es wäre schön, wenn Sigma das in einer neuen Version abschaltbar machen würde.

Kalibrieren der weiteren Entfernungsstufen

Wechselt nun auf den nächsten Fokus Bereich, also 0.6 Meter. Dazu stellt ihr die Kamera in eurem Raum auf, am besten vor ein Bücherregal oder ähnliches. Die Entfernung von 0.6 Meter könnt ihr ganz einfach durch ausprobieren herausbekommen, indem ihr fokussiert und wieder die Skala vorne am Objektiv beobachtet. Verschiebt das Stativ so lange, bis sie ca. 0.6 Meter anzeigt. Dann geht ihr genauso vor, wie bei der Unendlich-Kalibrierung.

Führt das Ganze dann noch für die anderen beiden Fokus-Bereiche durch und ihr seid fertig.

Insgesamt habe ich für meine 3 Objektive nicht länger als 15 Minuten gebraucht, also 5 Minuten pro Objektiv.

Nachtrag: natürlich funktioniert das auch mit Zoom-Objektiven, z.B. dem 18-35 Art. Hier kann man dann für unterschiedliche Brennweiten individuell kalibrieren, beim 18-35 für 18, 24, 28 und 35 mm:

2016-01-07 09_53_47-SIGMA Optimization Pro

Fazit

Immer wieder höre ich Kritik, dass man extra das USB-Dock von Sigma kaufen müsse oder Aussagen wie “Sigma soll die Objektive von vornherein richtig kalibrieren, dann ist das alles nicht nötig etc.”. Ich sehe das etwas anders.

Erstens ist das USB Dock natürlich optional. Meines Wissens nach bietet Sigma den Kalibrier-Service bei neuen Objektiven auch kostenlos an. Dazu muss man das Objektiv (und am besten auch die Kamera) dann allerdings einschicken und ggf. eine Woche oder mehr warten, bis man es zurück hat. Wer so lange aus sein Equipment verzichten kann und möchte, für den ist das dann sicher auch eine Option.

Weiterhin sind solche Fokus-Ungenauigkeiten eben nicht immer nur eine Sache des Objektives. Die Kamera spielt dabei nämlich auch eine Rolle. Wenn man sich beim Nikon-Service z.B. über Back- oder Frontfokus beschwert, empfehlen die auch immer, die Kamera inklusive Objektiv einzuschicken und das nicht ohne Grund: nur in der Kombination lässt sich ein solches System exakt justieren.

Und zu guter Letzt dient das USB-Dock ja nicht nur der Fokus justage, sondern man kann damit auch Firmware-Updates einstellen, bei einigen Objektiven den Stabilisator individuell auf seine Anforderungen kalibrieren und weitere Einstellungen vornehmen.

Ich persönlich finde: die Fokus-Kalibrierung mit dem Sigma-USB Dock ist eine tolle Sache. Schnell, einfach und präzise kalibriert man damit seine Objektive – jetzt, wo ich es einmal gemacht habe, frage ich mich, warum ich es nicht schon viel früher mal in Angriff genommen habe. Und die Kosten für das Dock, hat man mit einem einzigen gesparten Service-Auftrag nach Ablauf der kostenlosen Frist direkt wieder raus.

Also bleibt nur ein einziger Nachteil bei dem USB-Dock: es funktioniert nicht mit meinen Nikon Objektiven… :-)

Hier noch einmal die Links zu dem USB-Dock:

Und nun, auf zu schärferen Bildern und viel Spaß beim Kalibrieren!

Disclaimer: ich habe keine wie auch immer geartete Verbindung zu Sigma sondern bin nur Anwender und habe meine Objektive und das Dock selbst gekauft und bezahlt.

Hat Dir der Artikel gefallen?

Dann melde Dich doch zu meinem kostenlosen Newsletter an. Darin informiere ich über neue Artikel und Du wirst auch exklusiv als erstes über neue Workshops und Reisen informiert! Außerdem gibt es immer auch ein paar persönliche Hintergrund-Infos, die so nicht im Blog stehen.

Auf Facebook, Google+ und Twitter bekommst Du weitere tagesaktuelle Infos...

Alle Inhalte ©

*) Mit einem Stern gekennzeichnete Links sind externe Partner-Links. Ihr unterstützt mich, wenn ihr darüber bestellt. Alternativ könnt ihr auch über folgende Direktlinks in die Shops wechseln:
Amazon.de, Amazon.at, Amazon.com, Calumet Photo, Kids-of-all-Ages, Augenblicke-Eingefangen, camforpro.com.
Über meine Zusammenarbeit mit externen Partnern habe ich hier ausführlich geschrieben. Danke!

Werbung

Wir freuen uns über Deinen Kommentar!



88 Kommentare bisher


  1. Herbert 18. November 2016, 15:37   »

    Ich habe den MC-11 und ein Sigma 20 1.4 an einer A7s – die hat eh nur Kontrast AF – kann ich mir an einer solchen Kamera nicht prinzipiell das Justieren sparen?

  2. Thomas Siems 2. Oktober 2016, 14:39   »

    Hi!
    Habe mittlerweile das USB-Dock gekauft und kalibriere gerade. Kann es sein, dass Du in dem (sehr hilfreichen!!) Artikel Front- und Backfokus vertauscht hast? Wenn sich die Skala im Phasen-AF nach rechts dreht, dann habe ich Frontfokus, nicht Backfokus. Ich muss dann in den + Bereich korrigieren, nicht in den – Bereich.

    Liebe Grüße, Tom

  3. Stefan 20. September 2016, 20:51   »

    Ich war doch zu neugierig um auf die D3300 als Testkamera zu warten. Ich bin heute bei einem Bekannten vorbeigefahren und habe das Objektiv an seine D7100 gehängt: das Fehlerbild war identisch. Der mittlere Fokuspunkt hat brauchbare Ergebnisse produziert (nicht perfekt, war ja auf meine Kamera kalibriert), die äußeren Fokuspunkte waren dagegen nicht zu gebrauchen: starker Frontfokus.

    Mittlerweile habe ich auch ein paar Leidensgenossen ergoogelt, das Problem ist zumindest nicht unbekannt.

    Da mein Händler die Garantiekarte nicht ausgefüllt hat, werde ich das Objektiv zurückschicken. Wenn das neue auch nicht funktioniert, werde ich es (dann hoffentlich mit ausgefüllter Garantiekarte) zusammen mit der Kamera an den Sigma-Service senden.

    Alles in allem finde ich das USB-Dock immer noch cool. Ein Garant für sauber fokussierende Objektive ist es aber leider nicht.

    • Axel 21. September 2016, 00:21   »

      Hallo Stefan,

      noch mal die Frage von weiter unten, von wo kommst du?

      Siehe meinen Kurzvergleich (2. Post) an der D750. Ist meiner Ansicht nach ein systematisches Problem dieser Linse.

      Ich erlaube mir dabei nach wie vor eine andere Meinung als Gunther, den die Focusfelder “schauen” durch die Linse, ehe sie eine Entfernung melden und daher kann es eben doch einen Einfluss vom Objektiv geben.

      • Stefan 30. September 2016, 19:05   »

        Hey Axel,

        ich komme aus Karlsruhe.
        Ich habe mittlerweile eine Ersatzlieferung bekommen. Auch dieses Objektiv hat einen Frontfokus, wenn auch deutlich schwächer als das Erste. Und auch mit diesem Objektiv sind die Randmessfelder nicht so richtig zu gebrauchen. Im Fernbereich sind sie noch ganz okay, im Nahbereich kommt aber leider nur Matsche raus. Insgesamt also nichts, womit man Spaß am Fotografieren hätte.

        Ich werde mich wohl demnächst mal von meiner Kamera trennen und dieselbe mitsamt Objektiv zu Sigma schicken (das fällt mir echt ganz schön schwer). Wenn die das dann auch nicht hinbekommen, geht auch das wieder zurück und ich werde es dabei bewenden lassen.

        Was ich jetzt schon gelernt habe: Das war für mich das erste und gleichzeitig auch das letzte Objektiv, das ich online gekauft habe. Auf diese hin-und-her-Senderei habe ich einfach keine Lust. In einem Ladengeschäft, wo ich die Optik an der eigenen Kamera hätte ausprobieren können, hätte ich den Fehler zweifellos bemerkt. Dann müsste ich jetzt nicht zum vierten und fünften Mal zur Post laufen.

        • Axel 30. September 2016, 22:26   »

          Hallo Stefan,

          schade, Karlsruhe ist leider auch nicht um die Ecke :-)

          Meine Linse geht morgen zum dritten Mal samt Kamera zurück zu Sigma. Übrigens im Fachgeschäft gekauft, das hilft auch nicht viel weiter… Aber ich habe jetzt auch darauf hingewiesen, das ich gerne einen Austausch hätte.

          Ich ärgere mich auch sehr über diesen Effekt, aber Gunther hat auch Recht wenn er sagt “know your Tools”. Will sage, ich sehe es nicht ganz so schwarz wie du. :-)

          BTW: Die Kollegen mit einer D5x00 kommen vermutlich gar nicht in den “Genuss” dieses Problems mangels randnaher Focusfelder.

  4. Axel 19. September 2016, 20:31   »

    Sorry, “vertippt” vorheriger Bericht war unvollständig und zu früh abgeschickt

    ——————————————
    Nochmal ich :)

    Kurztest durchgeführt (ohne Kalibrierung)
    D7100 18-35 @18mm Focus mitte i.O. | außen n.i.O.
    D750 20mm 1,4 Focus mitte i.O. | außen i.O.
    jetzt gewechselt
    D7100 20mm 1,4 Focus mitte i.O. | außen i.O.
    D750 18-35 @18mm Focus mitte i.O. | außen n.i.O.

    Das 18-35 ist @35mm außen weniger kritisch/zickig

    Für mich ist diese kurze Testreihe ziemlich Eindeutig dem Sigma 18-35 zuzuordnen.

  5. Wolfgang 19. September 2016, 19:46   »

    Hallo Stefan,

    zunächst mal vielen Dank für Deine Antwort.

    Ich lese nun gerade, Du hast eine D7100 und Probleme mit Deinen Fokusfeldern.
    Ich besaß auch eine D7100, ich hatte so starke Probleme mit dem Fokussieren, dass die Kamera 3 mal in Düsseldorf auf der optischen Bank war. Nach dem dritten Mal habe ich mir dann die D750 geholt und siehe da, mit den gleichen Objektiven ist nun alles in Ordnung. Von daher vermute ich, wie Gunther, es stimmt etwas nicht mit dem Fokussystem in Deiner Kamera.
    LG Wolfgang

  6. Stefan 19. September 2016, 13:52   »

    Ich habe mir kürzlich das 18-35 gekauft und glücklicherweise das USB-Dock dazu. Das 18-35 hatte “aus dem Karton” einen Kräftigen Frontfokus. Besonders im Nahbereich saß der Fokus so schlecht, dass der Fehler schon unvergrößert auf meinem kleinen Ultrabook nicht zu übersehen war. Ich habe durchaus auch schon Nikon-Objektive mit Fehlfokus gehabt, aber sowas Kräftiges habe ich noch nicht gesehn. Das ist nichts, was man sich noch mit Toleranzschwankungen zwischen verschiedenen Kameras erklären könnte. Ich finde es wirklich enttäuschend, dass Sigma sich anscheinend selbst einfachste Qualitätsprüfungen spart. Das will so überhaupt nicht zum ansonsten sehr guten Objektiv passen.

    Mit dem Dock konnte ich das Gröbste korrigieren. Ich würde mir allerdings ein paar Korrekturpunkte mehr wünschen. Der Fokus sitzt jetzt nämlich zwar bei “unendlich” und bei “0,5m” punktgenau, im Bereich zwischen 0,7 und 2 Metern passt der Fokus aber nach wie vor nicht richtig. Ein paar Zwischenstufen zwischen 0,5 und unendlich wären wirklich sinnvoll, schließlich ist das der Fokusbereich, in dem man sich üblicherweise am meisten bewegt.
    Auch das Brennweitenspektrum könnte etwas feiner untergliedert sein. Der Sprung von 18 auf 24 ist doch sehr groß.

    Insgesamt gefällt mir die Möglichkeit zum selber korrigieren sehr gut. Das Dock ist wirklich kein Vergleich zur simplen, undifferenzierten Korrektur an der Kamera. Ich kann mich aber auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Sigma das Dock als Gelegenheit genutzt hat, sich das Geld für die Werkskalibrierung und die entsprechende Qualitätskontrolle zu sparen.

    • Axel 19. September 2016, 17:22   »

      Hallo Stefan,
      Deine Erfahrungen ähneln den meinen beim 18-35. Es scheint sehr viele Montagsmodelle zu geben. Ich empfinde die Q-kontrolle auch als schwach, auch beim Servicepoint, meines war mehrfach dort.

      Das 20/1.4 und das 35/1.4 sind hingegen spitze.

      Welche Kamera nutzt Du?
      Wie sieht es bei den äußeren Focusfeldern aus?

      • Stefan 19. September 2016, 19:16   »

        Hey Axel,

        ich nutze das Objektiv an einer D7100.
        Die äußeren Fokusmessfelder produzieren auch nach der Kalibrierung noch kräftigen Frontfokus. Ich nutze die aber ohnehin nicht so oft, weil ich auch bei anderen Objektiven den Eindruck habe, dass mittleres Feld + wegdrehen nicht unbedingt bessere, aber doch zuverlässigere Ergebnisse bringt. So starken und reproduzierbaren Fehlfokus wie das 18-35 haben andere da aber auch bei Weitem nicht.

        Ich habe das Objektiv erst am Samstag bekommen und außer ein paar Testbildern bisher nicht viel gemacht. Im Laufe der Woche werde ich noch Gelegenheit zum Ausprobieren im Praxiseinsatz haben. Danach werde ich überlegen, ob ich’s zurücksende oder nicht. Eine zweite Chance (in Form eines zweiten Exemplares) bekommt es aber in jedem Fall.

        • gwegner 19. September 2016, 19:30   »

          Warum sollte das so sein, dass ein Objektiv bei den äußeren Fokusfeldern sich anders verhält, als ein anderes? Das Objektiv weiß nicht, welches Fokusfeld benutzt wird. Wenn es da Unterschiede gibt, dann stimmt mit dem AF der Kamera etwas nicht. Egal welches Fokusfeld – die Kamera übermittelt einfach nur eine “Entfernung” an das Objektiv, und das fokussiert dementsprechend. Diese “Entfernung” ist abhängig von der Kamera, der Lichtmenge, der Justage des Kamera AF Systems mehr oder weniger exakt. Das Objektiv kann da nur drauf reagieren. Wenn es nicht die gleiche Sprache wie die Kamera spricht, also “falsch” justiert ist, muss man beide halt aneinander angleichen. Entweder über eine Korrektur in der Kamera, oder (besser, weil flexibler) wie bei Sigma möglich über das USB Dock.
          Die Fokusfelder haben damit gar nichts zu tun. Wenn es hier Abweichungen zwischen einzelnen Feldern gibt, liegt das ausschließlich an der Kamera.

          • Axel 19. September 2016, 19:47   »

            Hallo Gunther,

            ich muss leider die Erfahrung von Stefan absolut bestätigen.

            Ich verstehe, was Du sagst, aber es spricht dagegen, dass kein anderes Objektiv an meiner D7100 sich so verhält. Im Internet findet man viele Berichte darüber, dass die äußeren Fokusfelder beim Sigma 18-35 zicken machen.

            Mit der Erfahrung, die ich gemacht habe, ist mir Deine Aussage im Moment noch etwas zu kategorisch (sinngemäß: “kann nicht sein”). Ich denke schon, dass es hier noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die dem AF den garaus machen :-)

            Mit Deiner hervorragenden Anleitung habe ich auf dem mittleren Feld sehr gut kalibriert und bei Nutzung der äußeren Felder schieße ich 100%(!) Ausschuss.

            Schade, dass wir so weit auseinander wohnen, sonst würde ich es Dir gerne vorführen.

            Wenn das Objektiv optisch nicht so gut wäre, würde ich sagen, dass es an Verzerrungen liegen könnte.

            Ich kann mir schon auch vorstellen, dass das Objektiv dem AF ein Schabernack spielt (Reflexionen, Abschattungen, jaja, ich weiß wenig Vignette…) Aber dann liegt es letztlich immer noch am Objektiv

            Was ich machen kann, ich wiederhole die Kalibrierung auf der D750. Im DX-Modus komme ich dann mit den Focusfeldern ähnlich weit nach außen. Das wird ein interessanter Test…

            @Stefan: Ich wohne in der Wetterau, vor den Toren von FB, liegen wir da zufällig beieinander?

          • Axel 19. September 2016, 20:27   »

            Nochmal ich :)

            Kurztest durchgeführt
            D7100 18-35 @18mm Focus mitte i.O. | außen n.i.O.
            D750 20mm 1,4 Focus mitte i.O. | außen n.i.O.

          • Stefan 19. September 2016, 20:57   »

            Es fällt mir schwer zu widersprechen, weil ich keine schlüssige Erklärung parat habe. Fakt ist aber: einen reproduzierbaren Fehlfokus mit den äußeren Messfeldern bekomme ich mit keinem anderen Objektiv.
            Ich habe jetzt ein anderes Weitwinkel-Zoom, und mehrere andere Festbrennweiten mit gleicher, oder größerer Lichtstärke getestet (leider habe ich keinen anderen 1,8er Weitwinkel).
            Letztendlich ist auch der Phasen-Autofokus eine Symbiose aus Objektiv und Kamera. Der AF-Sensor kann nur messen, was vorher durch’s Objektiv gekommen ist.

            Ich sehe aber ein, dass ich die Kamera als möglichen Faktor ausschließen sollte, bevor ich das Glas zurücksende.
            Ich bekomme ich Laufe der Woche eine D3300. Ich werde es da mal ‘dranhängen und gucken, ob die Symptomatik damit die Gleiche ist. Falls nicht, geht statt des Objektives meine Kamera in den Service. ;)

          • Axel 19. September 2016, 23:22   »

            Hi Stefan,

            ich hatte mich vorhin leider mit den Hotkeys verdaddelt… :-/
            Daher siehe mein Kurzvergleich weiter oben.
            Das 18-35 zeigt das zickige verhalten auch an der D750, die sonst spitze ist…

  7. Wolfgang 9. September 2016, 12:53   »

    Hallo Gunther,

    ich interessiere mich für das Sigma 50Art für meine D750 und frage mich jetzt folgendes. In der Kamera kann man doch auch eine Justierung pro Objektiv speichern, hab ich noch nicht genutzt.

    Ist diese Art der Justierung zu ungenau, braucht man deshalb den USB-Dock bei den Sigma Objektiven?

    LG
    Wolfgang

    • Stefan 19. September 2016, 17:09   »

      Hallo Wolfgang,

      Ich habe mit der kamerainternen Korrekturfunktion schon öfters mal herumgespielt, das bringt meist nicht viel. Das Problem ist, dass ein Fehlfokus selten über die komplette Fokusreichweite konstant ist. Bei mir war das noch nie der Fall, und in Gunters 20mm-Beispiel oben scheint das auch nicht so zu sein.
      Es gibt immer Fokusbereiche, die besser passen als andere.

      Die Kamerakorrektur wird aber immer auf die ganze Fokusbreite angewendet. Wenn Du damit also z.B. gegen eine Nahbereichs-Unschärfe steuerst, bekommst Du den Nahbereich vielleicht scharf. Dafür passt dann aber der Fernbereich nicht mehr richtig.

      Je nach Fehlfokus ist eine Kamerakorrektur besser als nichts. In Gunters 20mm-Beispiel (Screenshot) musste das Objektiv zwar in allen Fokusbereichen unterschiedlich stark, aber immerhin in die gleiche Richtung korrigiert werden. Da hätte die kameraeigene Korrektur auch schon was geholfen. So gut wie mit dem Dock wäre es damit aber nicht geworden.

      Noch schwieriger wird es bei Zoom-Objektiven. Mein 18-35 war bei 35mm über die ganze Fokusbreite ziemlich gut. kürzere Brennweiten waren dagegen stark verstellt. Da hilft der eine Korrekturfaktor, den die Kamera für das Objektiv anbietet, dann wirklich gar nichts mehr.

  8. Jörn 28. August 2016, 14:32   »

    OK, ich hatte an anderer Stelle mich gefragt, was das mit dem defocus der Sigma Objektive soll – man hört relativ häufig davon. Gut erklärt – jetzt verstehe ich es auch. Wobei ich die über Sigma Objektive oft berichteten Fehlfoki nicht bei Canon L-Objektiven selbst beobachtet habe oder in Foren darüber gelesen habe. Scheint bei Sigma schon irgendwie anders, schlampiger justiert vom Band zu laufen :-( Oder tue ich den Sigmas damit Unrecht?

    • Axel 29. August 2016, 12:55   »

      Hallo Jörn,

      hier und da kann man lesen, dass Sigma angebl. nicht die Lizenzkosten von Nikon bezahlen will und daher keinen Zugriff auf die entspr. Unterlagen / Infos habe und per Reverseengineering entwickle.

      Meine Erfahrung:
      Sigma 18-35/1.8 ART an D7100, selbst justiert per USB-DOCK (Kamera war im Service): häufig, aber nicht immer Fehlfokus. Fast unverwendbar, wenn äußere AF-Felder verwendet werden.

      Sigma 30/1.4 [A] und 20/1.4 [A] an D750 selbst justiert per USB-DOCK: Messerscharf und das bei der ohnehin geringeren TärfenSchiefe des größeren Sensors :->

      Gruß
      Axel

      • gwegner 29. August 2016, 18:32   »

        Gewagte These. Fakt ist, dass die Kamerahersteller den Drittanbietern ganz schöne Steine in den Weg legen, da sie natürlich lieber ihre eigenen Objektive verkaufen.
        Ggf. hast Du beim 18-35 auch ein Montagsmodell erwischt, ich kenne super viele super glückliche Besitzer und ich zähle mich auch dazu. Ich hatte z.B. jetzt in LA nur die D5500 und das Sigma 18-35 dabei. Würde ich wohl nicht machen, wenn ich das Objektiv nicht für großartig halten würde.

        • Axel 29. August 2016, 20:28   »

          Ich habe ja auch passiv formuliert
          ;->>>

          Mit der Erfahrung der 30er und 20er Art Objektive werde ich ggf. auch noch mal eine Attacke reiten…

Unsere Empfehlungen

Werbung

Social

Letzte Kommentare